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Über

Eigentlich gibt es nichts über mich zu erzählen. Ich bin unscheinbar, alt, habe leichtes Übergewicht, bin unsportlich, naiv, lerne nicht aus meinen Fehlern. Im Gegenteil ich mache sie immer wieder. Dazu habe ich graue Haare und brauche eine Lesebrille. Meine Bandscheiben sind nicht mehr die Besten und ich schnarche Immerhin ist es mir in meinem einen Beruf als Kameramann mehrmals gelungen Bilder zu drehen, die in aller Welt gezeigt wurden, in meinem zweiten Beruf als Regisseur habe ich es immerhin bis zum Sundance Festival geschafft. Jetzt wohne ich am Ende der Welt und fange ganz von vorne an. Habt Mitleid mit mir. Ich bin übrigens einer auf dem Photo aber wer?

aus: 00000 Willemstad
 

Ich mag diese...
Musiker: Keith Richards, Nightwish, John Gorka, Strawbs, Tony Joe White, Mostly Autumn
Lieder: Sleeping Sun, Cold Steel, The morning after
Sendungen: Scrubs, Lost
Filme: Wag the dog, Leben des Brian, I wie Ikarus, Gattaca
Schauspieler: Nicole Kidman, Kevin Spacey, Edward Norton, Gary Oldman, Lino Ventura, Alain Delon
Bücher: Der Schwarm
Autoren: Frank Schätzing, Bill Bryson
Sportarten: no sports - doch schwimmen, schnorcheln, tauchen
Sportler: Wolfgang Overath
Hobbies: Musik, Gitarre spielen, Bücher, Film
Orte: Arizona, Malediven

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich viel dümmer aber schlanker und schöner.

Wenn ich mal groß bin...:
bin ich hoffentlich noch schlauer aber nicht dicker und hässlicher.

In der Woche...:
nach Ostern ist irgendwas

Ich wünsche mir...:
ein Haus in Jan Thiel für meine Frau und mich

Ich glaube...:
mein Schwein pfeift oder gestern war Dienstag oder an die Natur.

Ich liebe...:
meine Frau, meine Gitarren, meine Cds und die Hunde unserer Nachbarn, ach ja und den Rest der Menscheit auch, bis auf die Doofen.

Man erkennt mich an...:
meinem Kieferprofil. Ein Fall für CSI aber bitte die von Las Vegas

Ich grüße...:
euch im kalten Deutschland

Irgendwie .......:
ist das jetzt genug



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Blog

Die kleine Ziege und die Flowerpowerzeit

Leider muß ich jetzt mal vom Thema abweichen, denn es gibt auch hier auf der Insel wichtigere Sachen, die so passieren und die eine Meldung wert sind. Mit Wir Kinder vom Bahnhof Zoo geht das nächste mal weiter. Also ich bin gerade auf dem Weg zum Einkaufen gegen halb sechs abends. Ich wohne in einem Neubaugebiet, aber da stehen erst wenige Häuser. Ich habe gerade das letzte Haus passiert das im Rohbau ist und schau gelangweilt nach rechts. Was ist das, was torkelt da durch die Gegend. Vollbremsung. Tatsächlich eine kleine, neugeborene Ziege, noch ganz feucht, mit herabhängender Nabelschnur torkelt sie da durch die Gegend, kann noch gar nicht richtig laufen und versucht überall dran zu nuckeln. Weit und breit sind keine anderen Ziegen zu sehen. Hin und wieder ziehen Ziegenherden durch unsere Gegend, von einer dieser Ziegenherden muß das Kleine sein, von der Mutter verlassen, ein Findelkind. Die kleine Ziege hat unheimlich viel Glück gehabt, denn es laufen eine Menge Hunde hier in der Gegend herum, die hätten sie zerrissen, wenn sie sie gefunden hätten. Die Besitzer lassen ihre Hunde frei herumlaufen, denn es fahren nur wenige Autos. Also gut, dann wird es nichts mit Lebensmittel einkaufen. Ich rufe Marcel an, der Besitzer des Hauses in dem ich wohne, der hat auch ne Herde. Natürlich ist er nicht da. Ich also raus aus dem Auto und vorsichtig auf die Ziege zu, die hatte noch keine Angst und lief nicht weg. Ich nahm sie auf den Arm und jetzt klopfte das kleine Herz ganz aufgeregt. Ich legte die kleine Ziege vorsichtig vor den Beifahrersitz und fuhr nach Hause. Sofort nuckelte das kleine Tier, das schon heftig nach Ziege roch an den Sitzbezügen. In einer Minute war ich zu Hause und ging sofort zu meinen Nachbarn nach einem Babyfläschchen fragen. Fehlanzeige - leider habe ich nur 2 Nachbarn, sonst wohnt da noch keiner. Ich erhielt zumindest ne Flasche und einen Gummihandschuh. In den piekte ich ein Loch und füllte Milch hinein. Dann holte ich die Ziege ins Haus ( Photo ) und versuchte in den folgenden 2 Stunden Milch in das Tier hineinzubekommen, erfolglos. Das Tier nuckelte an allem, bloß nicht an den Daumen des Gummihandschuhs. Ich sah aus wie ein Schwein, der Fußboden war inzwischen voller Milch und die Ziege müffelte so vor sich hin, war unheimlich süß und erstaunlicherweise stubenrein. Ich rief das Tierheim an, den Tierschutzverein, keiner ging ans Telefon. Dann klingelte mein Handy, Marcel mein Vermieter war dran, was ich wolle, wollte er wissen. Er kam sofort als er wußte was passiert war, brachte ein Fläschchen mit, drückte auf den Kiefer des Tieres, das den Mund aufmachte und dann den Nuckel in den Mund nahm und trank. Dann kam er mit ganz komischen Fragen, ob es ein Männchen oder ein Weibchen sei, welchen Namen ich ihm gegeben hätte. Keine Ahnung, ich hatte nur verzweifelt versucht Milch in das Tier zu bekommen, da war keine Zeit für nebensächliche medizinische Untersuchungen oder banale Namensfindung. Es war jedenfalls ein Mädel. Es wurde nun in eine Kiste gepackt und wir fuhren zu Marcels Herde. Eine seiner Ziegen hatte 3 von 4 Jungen verloren und wir waren nun gespannt ob sie das kleine Ziegenwesen annehmen würde. Schnüffel, Schnüffel, es waren spannende Minuten, bis sie das kleine dann ableckte und Trinken ließ. Ich war stolz auf mich. Ich hatte ein kleines Ziegenleben gerettet und da ich nicht zum Einkaufen gekommen war ging ich nun ins Restaurant und aß ein paar Lammkoteletts ( das ist natürlich gelogen, ich hatte noch ne Pizza da ). Da ich sowieso schon vom Thema abgewichen bin kann ich auch noch was anderes erzählen. Nach der Ziegennummer schaute ich mir einen Horrorfilm auf DVD an - Wes Craven, last House on the left, langweiliger Film, schlechte Dialoge aber: am Anfang des Film spielt ein Musiktitel ( ... and the road leads to nowhere ), der mich wirklich wieder in die Zeit des Flowerpower zurückführte. Ich hätte wetten können: das war Improved Sound Limited, doch leider stand nichts im Abspann, aber sie waren es nicht. Improved Sound Limited spielte mit u.a, Roy Black zusammen, Roy begann dann seine Schlagerkarriere, die Band machte progressive Beatmusik, so nannte man das damals. Ich werde mal Pink Hawthorn hochladen, wenn ich die Erlaubnis der Band bekomme , ein Titel von ISL, der das ganze Gefühl dieser Zeit rüberbringt, alle Platten vom ihnen gibts mittlerweile auf CD. Sehr zu empfehlen. Ich kannte Improved Sound Limited seit 1971. Auf dem Herzberg, einer Burg im Hessischen fand damals ein deutsches Rockfestival statt, veranstaltet durch die Petards meiner Lieblingsband. Das Jahr vorher hatten sich einige Hundert Fans in unsere Stadthalle verirrt, da wegen schlechten Wetters nicht auf der Burg gespielt werden konnte, 1971 ging dann die Post ab auf dem Herzberg, 10 Mark für zwei Tage, 12 Bands angekündigt, 20 spielten, darunter Can, Frumpy, Xhol, Birth Control, Achim Reichel, Guru Guru ( Manni Neumaier hatte immer seine eigene Klopapierrolle dabei ) und eben die Petards und Improved Sound Limited ( die machten später zum Beispiel die Filmmusik für Wim Wenders: Im Lauf der Zeit- http://www.improved-sound-limited.de/de/START.php ). Ich war Ordner, da ich einen Petardsfanclub hatte und sie auch gut kannte und mußte deshalb keinen Eintritt bezahlen. Ein wirklich geiles Festival, mit Tausenden von Besuchern. Werde Euch auch mal einen Titel der Petards mit hochladen ( falls sie es erlauben ), war ne supergeile Band mit vielen Hits ( http://www.thepetards.com/ ). Die hatten nicht nur geile Songs für diese Zeit sondern auch noch einen exzellenten Schlagzeuger Arno Dietrich, der oft mit Ginger Baker verglichen wurde. Dieses Festival ist übrigens schuld daran, das ich nicht tanzen kann. Ich hatte mich zwar zur Tanzschule angemeldet und stehe da mit anderen am Einlaß für die erste Tanzstunde aber was passiert ? Roger Waldmann, der Bassist der Petards kommt mit seinem orangenen BMW 2002 TI vorbeigefahren, sieht mich da stehen, hält an und fragt mich, ob ich Lust hätte mit ihm zum Herzberg zu fahren, er müsse noch was für das Festival checken. Er hatte mich schon öfter zu Konzerten mitgenommen, ich hatte ja einen Fanclub und er war eines meiner Idole. Natürlich hatte ich Lust mitzufahren, die Tanzstunde war vergessen, ich stieg ein, das wars dann mit Tanzen für den Rest meines Lebens ( kann schon Tanzen aber nicht klassisch ). Jahre später mach ich eine Vera am Mittag Sendung als Regisseur zum Thema Starsearch usw.. Ich lese auf dem Sitzplan Klaus Ebert - Klaus Ebert ? das war doch der Komponist und Leadgitarrist und Komponist der Petards. Und tatsächlich, es war mein alter Bekannter Klaus von den Petards, der als Vertreter eine Plattenfirma in unserer Sendung Talente beurteilen sollte. Wir freuten uns beide sehr uns wiederzusehen. Dieser Klaus Ebert hat übrigens für seine Plattenfirma Dieter Bohlen am Anfang seiner Karriere mal begutachtet und dann abgelehnt und wurde deshalb von Bohlen in seinem Buch zerrissen. Klaus hat aber Recht gehabt, find ich, Bohlen ist kein guter Musiker und Komponist, das ist alles Müll. Nächstes Mal gehts normal weiter mit Christiane F.
12.3.07 18:56


Wir Kinder vom Bahnhof Zoo Teil 2

Das Sound war ein versiffter Laden, Treffpunkt der Drogenabhängigen. Dort hatte sich ein Teil der Originalgeschichte der Christiane F. abgespielt. Ich kannte den Laden schon vorher, war nicht so mein Ding, zu viele Menschen für die das Leben schon fertig war bevor es überhaupt begonnen hatte. Die echte Christiane F. spielte als Statist in einigen Szenen mit. Sie war für mich eine Enttäuschung. Eine unscheinbare, junge Frau ohne Charisma. Erst dann wurde mir klar, das ihr Schicksal nur eines von vielen, nahezu identischen Schicksalen war. Sie hatte nur das Glück gehabt jemanden zu treffen, der sich für ihr kaputtes Leben interessierte und es aufschrieb. Es gab sicher noch viel extremere Schicksale in dieser Szene. Nun kommt die zweite Enttäuschung aber im Prinzip auch eine positive Erfahrung. Ich bemerkte oft jemanden der im Hintergrund rumstand und die Dreharbeiten beobachtete. Er war etwa 1,70 groß, Mitte 30 und keineswegs auffällig oder extravagant. Irgendwann ging ich durch Zufall dichter an ihm vorbei. Er war keineswegs sofort zu erkennen, aber er war es: David Bowie, dessen Musik, den ganzen Film prägt. Er wohnte damals in Berlin. Er hielt sich unauffällig im Hintergrund auf, mischte sich nicht ein, keine Allüren, kein Stargetue. Ein ganz normaler Mann. Enttäuschend auf den ersten Blick, angenehm aber sein Verhalten und sein ganzes bescheidenes Auftreten. Sein Konzertausschnitt aus dem Film ist allerdings eine Mogelpackung. Das Konzert selbst wurde in New York gefilmt, nur Nadja war dort und natürlich Uli Edel, der Regisseur selbst. Alle Szenen vor der Bühne wurden in der Berliner Deutschlandhalle gedreht, in den Umbaupausen eines Konzerts von Whitesnake und ACDC. Das Publikum selbst wurde bei dem ACDC Auftritt gedreht. Film ist halt Illusion, damit muß man leben. Bei den Strichszenen vor dem Sound kam auch mein damaliges Auto zum Einsatz ein braunmetalliger Fiat 124 Coupe. Eine Szene werde ich nie vergessen. Unser damaliger Produktionsleiter Harald Muchametow spielte auch kurz mit. Er spielte einen Spaziergänger der von Nadja angeschnorrt wurde. Er gab ihr nichts, daraufhin sagte sie Alter Wichser zu ihm und er haute ihr eine runter. Fortan mußte ich immer an diese Szene denken wenn ich Harald traf. Eines Nachts drehten wir auf dem Dach des Europacenters. Ein paar Tage vorher war gerade Hochhaus in Flammen in den Kinos angelaufen. So gegen fünf Uhr früh fuhren plötzlich einige Löschzüge der Feuerwehr vor. Per Walkie Talkie kam die Anweisung, keiner verlässt das Dach, keine Fahrstühle benutzen. Wir schauten mit mulmigen Gefühlen die 20 Stockwerke nach unten. Gott sei Dank hatte nur ein Papierkorb in einem der Büros Feuer gefangen. Wir atmeten auf als die Entwarnung kam. Die nächsten Tage gab es alllerdings schlechte Nachrichten.
8.3.07 01:46


Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Es war schon etwas abartig in Teenie Discos zu verkehren und kleine Mädchen und kleine Jungs zu beobachten. Da gab es schon einige Sprüche zu hören wie Spanner, Kinderf... usw. Das schlimme war nur das dort tatsächlich viele ältere Männer verkehrten, um kleine Mädchen abzuschleppen. Wir kamen mit dem Casting gut voran und irgendwann brachte Babette, die Regieassistentin Kathrin mit. Sie war 13 und wirklich begabt und wir waren uns alle einig, das sie die Hauptrolle bekommen sollte, sie war einfach mit Abstand die Beste. Bei den Jungs waren wir weniger erfolgreich. Den Typen, der für die Hauptrolle auserkoren wurde fand ich persönlich zu blass, zu unbegabt, aber ich war ja nur ein kleines Licht und hatte keine Entscheidung zu treffen, obwohl natürlich jeder ohne Probleme seine Meinung sagen konnte. Ab sofort machten Hans und Jürgen die Probeaufnahmen mit dem Paar nur noch auf Film nicht auf Video und Kathrin spielte ihren Partner immer an die Wand. Es gab noch ein anderes Problem, egal wie Kathrin geschminkt wurde, sie war einfach zu hübsch. Sie sah immer zu gesund aus und nie wie eine Fixerin. Als ich eines Tages ins Produktionsbüro kam erfuhr ich das Kathrin doch nicht die Hauptrolle bekommen sollte. Nachdem sie einige Tage lang wie die zukünftige Hauptdarstellerin behandelt worden war, hatte man ihr einfach so gesagt, das sie die Rolle nicht bekäme. Die Entscheidung war richtig aber die Art wie man es ihr gesagt hatte war nicht OK gegenüber einem dreizehnjährigen Mädchen. Kathrin irrte enttäuscht und heulend durch die Stadt, aber Hans der Kamera-Assistent war sofort losgefahren und suchte sie. Er fand sie und kümmerte sich in den nächsten Tagen um sie. Die beiden heirateten einige Jahre später. Eine neue Hauptdarstellerin wurde schnell gefunden. Sie hieß Nadja Brunckhorst, war ebenfalls sehr begabt und damit war das Casting beendet. Mittlerweile gab es eine neue Erfindung im filmtechnischen Bereich, Steadycam hieß sie. Der Kameramann trug dabei eine Art Korsett, ohne Strapse selbstverständlich, auf einem Gelenkarm der aus dem Korsett ragte wurde die Kamera installiert, kardanisch aufgehängt. Nun konnte der Kameramann damit Personen folgen ohne das es sehr wackelte. Das Kamerabild wurde auf einen kleinen Monitor ausgespiegelt, sodaß er sehen konnte was gerade im Bild war. Wir waren glaube ich die ersten in Deutschland die dann diese Erfindung in einem Film verwendeten. Jürgen ließ sich die Steadycam sofort kommen. Einige Wochen später sollten die Dreharbeiten beginnen, aber es war nicht ganz klar ob ich dabei sein würde. Ich nahm sicherheitshalber erstmal einen Job in München beim ZDF an. Die Kameramänner waren sehr nett, bis auf einen der hieß Hammerstingl, er lehnte ab mit einem Assistenten aus Preussen zu arbeiten. Als ich mal den Dienstwagen mit dem Heck zur Wand eingeparkt hatte, fand ich sofort einen Zettel in meinem Fach auf dem stand: wenn 9 Wagen mit der Front zur Wand einparken, dann sollte das der zehnte auch tun. Er war ein Pedant und ein Urbayer. Der Job war nicht uninteressant, besonders ein Dreh bei Franz Josef Strauss zu Hause. So sehr man ihn politisch hassen konnte, privat war er ein Supertyp. Nachdem wir fertig gedreht hatten und die Kamera verpackt war, zog er vom Leder, lästerte über Helmut Kohl und den Rest der Welt, ein brillianter Kopf und perfekter, humorvoller Gastgeber, er füllte uns derartig ab, blieb selbst aber zu unserer Verblüffung völlig nüchtern. Mit einem Aufnahmeantrag der CSU in der Hand und einigen Aufklebern mit einem Porträt von Franz Josef kehrte ich sturzbetrunken in mein Hotel zurück. In München hatte ich allerhand Probleme mit dem Dresscode, mit meiner Lederjacke kam ich fast in keine Disco. Nur einmal hatte ich Zuritt zu einer Nobeldisco, denn Uli Edel unser Regisseur, der in München wohnte, hatte mich eingeladen. Zusammen mit Bernd Eichinger, dem Produzenten des Films, dem Platzhirsch der Medienbranche von München hatte ich natürlich keine Mühe reinzukommen. Das war aber überhaupt nicht meine Preisklasse. Sonst ging ging ich ab und zu in eine Studentendisco in der Nähe des olympischen Dorfes. Eines Abend saß ich da so bei einer Cola ( ja Cola, ich saufe erst seit kurzem ), da kam eine tierisch hässliche Frau herein. Sie konnte ja nichts dafür und vielleicht war sie auch nicht so hässlich, nur ich fand sie unattraktiv. Jedenfalls steuerte sie direkt meinen Tisch an und baggerte mich sofort an. Das war für mich ein Zeichen, München war nicht meine Stadt. Im Hotel fand ich einen Zettel in meinem Fach: Bitte zurückrufen, Solaris Film. Aufgeregt rief ich am nächsten Morgen an. Ich hatte den Job, ich war Materialassistent bei „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ und die Bezahlung war auch nicht schlecht. In der kommenden Woche sollte es losgehen, ich verließ München zwei Tage später.
4.3.07 18:41


Mein erster Film

Der erste Film Es war ein easy Job, ein bißchen tanzen, dann wieder rumstehen und warten. Christina Plate war süße 13 und spielte eine der Hauptrollen. Renate Witte, die Aufnahmeleiterin war supernett und kümmerte sich um uns. Ich hatte Zeit mich umzusehen. Mir fiel auf, als die Crew wieder mal in eine bestimmte Lichtrichtung drehte, das einige Lampen, die vorher eingeschaltet gewesen waren, nicht brannten. Ich ging zu einem der Beleuchter, Helmut Grass hieß er und wies ihn darauf hin, er schaute mich ganz verdutzt an, ging zum Kameramann. Ich sah wie er dort auf mich zeigte, dann schalteten sie die Lampen ein. Zwei Stunden später das Gleiche, sie hatten eine Lampe vergessen. Ich ging erneut zu Helmut, der bedankte sich ging wieder zu Bernd Heinl, dem Kameramann und sie schalteten die Lampe ein. In der nächsten Pause sprach mit Helmut ( er übersetzt mittlerweile englischsprachige Bestseller grandios in Deutsche ) mit seiner tiefen Bassstimme an. Woher ich denn gewußt habe, das die Lampen wichtig seien, wollte er wissen. Ich erzählte ihm meine Geschichte. Aha, sagte er nur ging zu Bernd Heinl und erzählte es ihm gleich weiter. Nach Drehende kam Renate zu mir, bedankte sich und erzählte mir das der Kameramann mich sehr gelobt habe. Ich freute mich sehr und dann fragte sie mich, ob ich am Wochenende Zeit habe. Wenn ich wolle, könne ich auf Kinder aufpassen. Auf Kinder aufpassen war nun nicht gerade mein Ding, aber es ging um was ganz anderes. Sie hatte ein Drehbuch für mich von einem Film und Sonntag würden sich die ersten Teenies vorstellen, die für einige der Rollen vorgesehen waren. Ich solle das Buch lesen und ihnen dann was vom Film erzählen, während sie warteten. Na das war schon was anderes, ich sagte sofort zu. Am nächsten Tag sollte ich schon die Produktionsfirma besuchen. Damit hatte mir Renate die Zukunft gesichert und ich werde ihr dafür immer dankbar sein, ihr hab ich alles zu verdanken, was danach passierte. Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, stand auf dem Drehbuch. Der Titel sagte mir gar nichts. Ich machte mich zur verabredeten Zeit auf den Weg in die Potsdamerstrasse 96, dort war das Büro der Produktionsfirma Solaris. Sabine, die ich dort treffen sollte war aber nicht da, nur ein dunkelhaariger Wuschelkopf, der hieß Ulli und war tierisch nett. Er fragte mich aus, erzählte mir von der Produktion und wir unterhielten uns etwa eine Stunde. Ich war sehr angenehm überrascht, keine Arroganz einem Anfänger wie mir gegenüber, er behandelte mich wie einen Kollegen. Dann kam Sabine nahm mich mit in ihr Büro. „ Das war übrigens Uli Edel, unser Regisseur, mit dem Du geredet hast“, erzählte sie mir beiläufig. Whow, ich war platt, ich hatte über eine Stunde mit einem leibhaftigen Regisseur geredet. Ich hatte den Job. Sonntag fing das Casting an und das Kamerateam tauchte auf: Jürgen Jürges war der Kameramann, Hans Günther Bücking, der Assistent, beide auch supernett. Ich machte meinen Job anscheinend gut, den ich wurde für das nächste Wochenende wieder verpflichtet und bekam jede Menge Visitenkarten der Produktion. Ich sollte ein wenig in Discotheken nach geeigneten Laiendarstellern Ausschau halten. Das war nun wirklich ein Vertrauensbeweis von Uli Edel. Montag schon erhielt ich wieder einen Anruf, ich solle Dienstag mit dem Kameramann die Motive ansehen. Ich fuhr also mit Jürgen Jürges, einem Fassbinder Kameramann durch die Stadt, Motive anschauen, sehr spannend. Als wir zu den ersten Innenmotiven kamen, einer U-Bahn Station, stellte Jürgen fest, daß er seinen Belichtungsmesser ( Spotmeter ) vergessen hatte. Ich gab ihm meinen, den ich im Auto hatte. Nun wurde Jürgen neugierig. Warum hast Du einen Spotmeter, fragte er ? Wieder erzählte ich meine Geschichte und das ich nun arbeitsloser Kamera- Assistent sei. Aha, das werden wir schon ändern, sagte er. Fortan hatte ich die ganze Woche als Fahrer zu tun Am Wochenende waren wieder Probeaufnahmen, die Hans der Assistent machte. Beide mochten allerdings die kleine Videokamera nicht, die wir dafür benutzten, also durfte ich die Woche darauf die Probeaufnahmen alleine machen. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen.
4.3.07 01:57


Hurra, ich bin beim Film Teil 2

Das war aber weiß Gott nicht die große weite Welt des Films. Ein Cutterassistent in einer Synchronfirma zu sein ist etwa so exotisch wie ein Stück Fa Seife. Die intellektuellen Anforderungen sind minimal, englisch sollte man zumindest verstehen. Man kümmert sich um den Ton und sitzt den ganzen Tag ( zumindest damals ) an einem Schneidetisch und hört sich irgendwelche Töne an. Die Firma Deutsche Synchron befand sich auf dem Gelände der Berliner Union Film Studios am Flughafen Tempelhof, das Aufregendste was dort zu dieser Zeit produziert wurde war die ZDF Hitparade. Man sah also zumindest die Schlagerfuzzis in der Kantine und hin und wieder einen Schauspieler, der dort in einem anderen Studio drehte. Ich landete in einem Schneideraum mit 5 anderen Mädels ( Assistentinnen ). Die waren alle sehr nett zu mir, ich war der Hahn im Korb, nur sobald eine von ihnen den Raum verließ fielen die anderen sofort über sie her. Hast Du ihre Schuhe gesehen, die Frisur und so weiter und so fort, Lästereien ohne Ende. Schrecklich. Ich hoffe Frauen sind nicht immer so wenn sie irgendwo zusammen arbeiten müssen, bei Männern gibts so was glaube ich nicht, hab ich jedenfalls nie erlebt. Der Chef war ein Tyrann, wollte jemand etwas von ihm, dann wurde ganz ängstlich erstmal im Büro angerufen und gefragt was für eine Laune er habe, zur Not verschob man das Gespräch auch mal um ein paar Wochen, aus Angst es könnte schlecht verlaufen. Die Cutterinnen ( nicht alle ) waren Divas, zickig und machten teils einen auf die große weite Welt des Films und taten sehr geheimnisvoll, wie viel angenehmer waren dann später doch die Filmcutterinnen beim richtigen Film. Der einzige Glanz waren die Synchronregisseure, die hatten teils Format, doch auch da brodelte die Gerüchteküche der Mädels, sie hatten über jeden was zu erzählen, besonders über Michael Richter den Bruder von Ilja. Legendär war Rainer Brandt, der „ Die Zwei „ synchronisiert hatte und mit seiner ganz eigenen Art die Dialoge neu zu schreiben, der Serie zum Erfolg verholfen hatte, die in anderen Ländern floppte. Nur der arbeitete nicht bei uns Die Synchronsprecher waren meist unbekanntere Schauspieler, nur an den Stimmen kannte erkannte man sie. War das nicht gerade John Wayne, den man auf dem Gang hörte, nein das war Arnold Marquis, seine Stimme ? Das übelste war aber der Job selbst. Da ich so billig war ( 130 DM im Monat ) durfte ich vorwiegend benutzte Perfobänder zusammenkleben. Das muß ich glaube ich erklären. Bei der Synchronisierung wurde der Ton auf 17,5 mm breiten, perforierten Magnetbändern aufgenommen. Wenn der deutsche Sprecher dann an das IT Band ( das heißt die internationale Tonspur des Films, das sind nur Musik und Geräusche drauf, ohne die Dialoge ) angelegt wurde, zerschnitt die Cutterin das Band in viele kleine Schnipsel, damit die Dialoge auch an die richtige Stelle kamen, dazwischen klebte sie eine andere Art Band . Nachdem der Film fertig war wurden die Bänder gelöscht und ich durfte die vielen kleinen Schnipsel wieder zu einem Band zusammenkleben. Bei einem Stundenlohn von 81 Pfennig war das natürlich viel billiger als ein neues Band zu kaufen, das sicher 20 Mark kostete wenn nicht sogar noch mehr. Dann fielen auch noch Überstunden an, die bei 81 Pfennig die Stunde überhaupt keinen Spaß machten, denn ich brauchte die freie Zeit abends um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit den Überstunden konnte ich nicht mehr nebenbei jobben, also auch nicht überleben. Ich lehnte also die Überstunden ab und flog nach 3 Monaten raus. Das hat man davon, wenn man sich gegen Ausbeutung und Sklaverei zur Wehr setzt. Aus und vorbei war es mit der großen Welt des Films, oder vielleicht doch nicht. Gebe zu der Text ist etwas uninspiriert, dafür kommen wir bald zu „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ zu David Bowie und anderen interessanten Leuten. http://www.myvideo.de/watch/924174 Hurra, ich bin beim Film, Teil 2 Ich bewarb mich überall, ohne Erfolg, bis mir jemand steckte das Brunnemann der Chef alle Synchronkollegen von sich angerufen hatte und sie vor mir gewarnt hatte. Doch dann passierte das Wunder, eine Firma antwortete. Geyer Synchron hatte meine Bewerbung in eine andere Abteilung gegeben zum Kopierwerk. Die Geyer Werke waren damals das beste Filmkopierwerk in Berlin. Dort wurden Profifilme in 35 und 16 mm entwickelt und kopiert. Besser als gar nichts. Ich stellte mich dort vor. Herr Rabs der Kopierwerksleiter war ein kompetenter Mann, ich solle erstmal anfangen sagte er und dann innerhalb des Kopierwerks durch verschiedene Abteilungen rotieren. Ich sagte zu. Es gab richtig Geld für diesen Job und das Betriebsklima war gut. Ich landete zuerst in der Filmvorführung, eine Art Kino in der die Kopien vor Auslieferung an den Kunden geprüft wurden. Ich war plötzlich Filmvorführer. Dort saß Karla. Sie sah aus wie eine Lehrerin, war korpulent und etwa 2 Jahre vor ihrer Pensionierung. Sie trug ein dicke Brille mit Flaschenböden und mußte trotzdem kurz vor der Leinwand stehen um den Film sehen zu können. Trotz dieses Handicaps war sie super in ihrem Job, eine Seele von Mensch und fortan wurde ich von ihr bemuttert und versorgt. Jeden Morgen gab es irgendetwas zum Naschen. Ich nahm innerhalb kürzester Zeit 5 Kilo zu. Auch die anderen Mitarbeiter waren supernett und ich fühlte mich in dieser Beziehung sauwohl dort, obwohl der Job als Vorführer nicht so toll war. Wir prüften nämlich zwischen 8 und 10 erstmal Pornofilme, ziemlich eklige Produktionen waren dabei. Hin und wieder sah ich Kinofilme, lange bevor sie ins Kino kamen. Ich lernte Wim Wenders zu hassen. Seinen Film „ Im Lauf der Zeit „, der sowieso Überlänge hat, mußte ich 35 mal ansehen. Seitdem ist mein Bedarf an Wim Wenders gedeckt und in meinen schlimmsten Albträumen sehe ich Rüdiger Vogler irgendwo in die Pampa kacken ( eine Szene aus dem Film ). Es gab irgendwo eine Stempeluhr und ich kam jeden morgen zu spät, nur 5 Minuten, aber zu spät. Außerdem war in der ersten halben Stunde eh nichts zu tun. Nach Wochen mußte ich deshalb zum Chef. Er fragte mich warum ich immer zu spät käme, ich erklärte ihm das eh nichts zu tun sei und ich außerdem fast jeden Tag Überstunden mache, das sei doch viel wichtiger für die Firma, wenn jemand dazu bereit sei. Er schaute mich kurz an und sagte: Kommen Sie wann sie wollen, Hauptsache sie kümmern sich auch nach Dienstschluß um unsere Kunden. Ja das war Geyer, eine wirklich gute Firma mit toleranten Bossen, die auch mal mitdachten. Mit Karla hatte ich ein super Verhältnis und mit den anderen Mitarbeitern auch, ich habe dort nicht einen einzigen unangenehmen Mitarbeiter getroffen, leider blieb ich erstmal in der Vorführung und kam erst viel später in andere Abteilungen. Dann bekam ich zwei Praktikanten Jürgen und Kai, die waren sehr nett und wir verbrachten viel Zeit zusammen. Sie machten das Praktikum, weil sie es für die Aufnahme in eine Fachhochschule brauchten in der man zum Kameraassistenten ausgebildet wurde. Kameraassistent hörte sich interessant an. Man brauche mittlere Reife, ein halbjähriges Praktikum und müsse eine Aufnahmeprüfung bestehen erfuhr ich. Die Aufnahmeprüfung sei in der kommenden Woche. Ich rief sofort dort an, ja ich könne noch kommen und mitmachen hieß es. Das Praktikum fehlte mir allerdings. Ich ging zu Dr. Geyer und fragte ihn ob er mir meine Tätigkeit bei Geyer auch als Praktikum bescheinigen könne und erklärte ihm warum. Zwei Stunden später hatte ich die Bescheinigung. Es waren noch 5 Tage bis zur Aufnahmeprüfung und ich hatte keine Ahnung. Ich nahm Urlaub und kaufte mir ein Buch: Kurt Solf - Filmen. Das lernte ich mehr oder weniger auswendig und trat zur Prüfung an. Über 400 Bewerber gab es für nur 25 Plätze. Allerdings war das Buch anscheinend ziemlich gut gewesen. Ich hatte kaum Probleme mit den Fragen. Die einzige Frage bei der ich auf dem Schlauch stand war folgende: was sind die Aufgaben eines Kameraassistenten ? Ich schaute zum Nachbar. Schärfe ziehen, Blenden ziehen, Kassetten ein und auslegen stand da, aha. Wird wohl so sein dachte ich und schrieb es auf ohne zu Wissen was damit eigentlich gemeint war. An nächsten Tag erfuhren wir die Ergebnisse. Ich war unter den Besten und war angenommen, eine totale Überraschung. Ich kündigte bei Geyer, Karla war sehr traurig, sie hätte mich gern als ihren Nachfolger gesehen. Aber keiner war sauer, alle beglückwünschten mich, denn sie wussten, das ich ihnen als Kunde erhalten blieb. Jürgen hatte es auch geschafft, Kai leider nicht aber um den brauchten wir uns keine Sorgen zu machen sein Vater war ein Promi, der würde immer etwas finden. http://www.youtube.com/watch?v=p3Mtkk5G3OY Hurra, ich bin beim Film, Teil 3 Ich war nun plötzlich Student, aber der großen weiten Welt des Films noch keinen Millimeter näher gekommen. Meine Mitstudenten waren ein bunt zusammengewürfelte Schar, die allerdings größtenteils schon Fernseherfahrung hatten. Die meisten waren aus Deutschland, ein Student war aus Pakistan, einer aus Bangladesch und einer aus Jordanien. Einer von ihnen Achim Poulheim ist jetzt ein berühmter Kameramann, einer wurde Programmdirektor, die anderen sind bei irgendeinem Sender untergekommen, nur aus mir ist anscheinend nichts Vernünftiges geworden. Die Dozenten waren zwar zweite Wahl aber kompetent und ganz OK, bis auf einen, der war ein superreaktionäres Arschloch und wollte mich Absägen, was ihm aber nicht gelang. Ich hatte ganz andere Probleme. Mir fehlte jetzt das Geld von Geyer, mit dem Bafög kam ich nicht weit. Also zog ich in den Wedding. Hinterhof, Erdgeschoß sehr dunkel ohne Dusche aber dafür mit Heizung, kostete etwa 150 DM warm. Praktischerweise ( das Rechtschreibprogramm macht mich fertig, was ist jetzt schon wieder falsch und warum vor allen Dingen, ich lass es jetzt so stehen - scheiß Rechtschreibreform ) wohnte Holger ein Mitstudent in der gleichen Strasse, dort konnte ich duschen. Was tut man nicht alles um sein Auto finanzieren zu können, einen Fiat 124 Spider, ein Superauto. Ich konnte allerdings jobben und zwar in der Lichtpauserei in der ich mal angefangen hatte, als ich nach Berlin kam, das war schon mal stark zumal der Chef ein Supermotto hatte: Pausen müssen sein. Er meinte allerdings seine Lichtpausen damit, keine Arbeitspausen. Dann baggerte ich die Verkäuferin von GOVI an, meinem Lieblingsplattenladen. Die mochte mich anscheinend auch und stellte mich ihrem Freund Lutz vor dem Geschäftsführer. Schon hatte ich meinen zweiten Job und sogar in einem Plattenladen. Lutz war ein super Typ, ich mochte ihn sehr und hörte sofort damit auf seine Freundin anzubaggern. Der Job war gut, die Bezahlung auch. Leider blieb von dem Geld nie was übrig, da ich es sofort in Lps umsetzte die ich mit Personalrabatt bekam, teilweise kosteten die Lps dann nur noch ein paar Mark. Dann mußte ich auch noch meinen Lebensrhythmus ändern, von acht bis halb drei Uni, die hieß übrigens SFOF, staatliche Fachschule für Optik und Phototechnik. Ab 3 dann jobben bis 6, dann ins Bett, schlafen bis 23 Uhr und dann ins Superfly einer angesagten Disco am Adenauerplatz oder ins Highfly oder Flyhigh ( zwei Kneipen nebeneinander ), dann gab es noch das Tolstefanz, das Linientreu, den Dschungel und das Sound. Im Sound verkehrten wir nicht, da waren nur Fixer. Berlin war ein heisses Pflaster damals, die Musik zu dieser Zeit war geil und es war die Hölle los. War im Superfly mal nichts los, gingen wir über die Strasse, da war ein Kino und dort hatten wir freien Eintritt als Filmstudenten. Die hatten Vorführungen die ganze Nacht über, um 12 ( null ), um zwei und um vier. Dann fuhr ich meistens gegen vier Uhr früh nach Hause und schlief noch ein paar Stunden. Dieser Lebensrhythmus hatte allerdings auch ein paar Nachteile. Ich wurde wach, es war noch dunkel draußen, es war im Dezember. Ein Blick auf die Uhr, Mist, fünf vor acht. Schnell in die Klamotten, zum Bäcker, Pech, der hatte zu, wieso eigentlich ? Nun gut dann ohne Frühstück zur Uni. Um 10 nach 8 parkte ich mit quietschenden Reifen. Kein Mensch da, war aber doch Dienstag, da gings um acht los. Hatte ich einen Feiertag übersehen ? Ich fragte einen gütigen Mitmenschen auf der Strasse, ob heute Dienstag ein Feiertag sei. Der schaute mich mitleidig an. Es war Montag und zwar mittlerweile 20:20. Ich war Montag gegen 16 Uhr eingeschlafen und als ich wach wurde war es nicht Dienstag morgen, sondern noch Montag Abend. Ich hatte halt nicht gerafft, das ich nur ein paar Stunden geschlafen hatte und nicht die ganze Nacht. Jedenfalls hatte ich während meines Studiums weniger Fehltage im Superfly als in der Uni. Aber auch das Studium lief gut. Ich hatte die Idee zu einem Film, die Umsetzung einer Kurzgeschichte von Hanns Heinz Ewers: Die Spinne. Drei Kollegen machten mit und wir begannen mit den Dreharbeiten. Der Hauptdarsteller wurde Dietrich ein Freund von mir aus meiner Heimatstadt, der auch in Berlin lebte und Nilgün eine bildhübsche Türkin, die ich im Superfly kennen gelernt hatte. Eigentlich sollten wir nur ganz kurze Projekte machen, so 1,5 Minuten. Dieses Projekt war allerdings etwas ambitionierter und sollte 10 Minuten dauern. Das mussten wir selber bezahlen, aber Dank meiner Kontakte zu Geyer hielten sich unsere Kosten in Grenzen. Mittlerweile hatte ich Sonja kennen gelernt, die Tochter eines österreichischen Kabarettisten. Die machte mir schöne Augen und fragte mich, ob ich sie denn mal nach Wien fahren könne. Das machte ich natürlich sofort. Seltsamerweise wohnten wir nicht bei ihr zu Hause, sondern in einem Hotel. Am nächsten Morgen fummelte sie am Absatz ihrer Stiefel herum, entfernte die Sohle. Er war voller Heroin. Sie hatte mich benutzt um ihre Scheißdrogen zu schmuggeln, die sie in Wien verkaufen wollte. Ich stellte sie zur Rede, denn wären wir erwischt worden, hätte ich als Ausländer, obwohl ich gar nichts davon wußte den schwarzen Peter gehabt, sie als Promitochter natürlich nicht. Sie reagierte gar nicht und setzte sich erstmal einen Schuß. Ich setze mich auch, aber ins Auto und fuhr sofort nach Berlin zurück. An der bayrischen Grenze wurde ich gestoppt, Passkontrolle aussteigen, bitte rechts ranfahren. Ich gab ihnen meinen Pass und sie verschwanden damit. 30 Minuten gingen rum, eine Stunde. Ich ging ins Kontrollhäuschen wollte meinen Pass wiederhaben. Da sassen 3 Grenzer mit verschränkten Armen von denen einer sagte: komm doch und hol ihn Dir, dann gibts aber was aufs Maul. Diese Arschlöcher. Ich ging hinaus, wartete auf das nächste Auto mit Freaks, bat sie ob sie mir helfen könnten. Wir gingen dann zu fünft hinein. Mit 4 Zeugen bekam ich natürlich meinen Pass sofort zurück. Mit Drogen hatte ich nicht viel am Hut, ab und zu mal ein Tütchen, das war es auch. Als Jugendlicher hatte ich auch mal LSD probiert, so etwa ein Jahr lang. Wir hatten einen Dealer in Heidelberg, der war sehr preiswert, ein Trip für 2,22 DM, ein Gramm Shit für 3,33 DM. Wir machten in unserem Gymnasium immer Sammelbestellungen, um diese Preise zu bekommen, wie beim Otto Versand und holten das Zeug persönlich ab. Keiner von uns hat je eine müde Mark damit verdienen wollen. Einmal schickte Pieper unser Dealer mir die LSD Trips per Post, die ganze Sammelbestellung des Gymnasiums ( kein Wunder bei einem Preis von 2,22 ), 100 LSD Trips in einem ganz normalen Briefumschlag. Meine Mutter schüttelte den Brief, der laut raschelte, gab ihn mir und fragte was da drin sei. Ich ging schnell in mein Zimmer, dort fand ich eine Perlenkette von einer Brieffreundin von mir. Die Perlen hatten eine ähnliche Grösse. Ich ging raus und zeigte sie meiner Mutter, und sagte guck mal meine Brieffreundin hat mir eine Kette geschickt. Meine Mutter war es zufrieden. Am folgenden Freitag war unser Schulfest. Die halbe Oberstufe nahm eine Pille und da nichts passierte nach einer halben Stunde eine Zweite - das war ein schwerer Fehler, denn kurz danach begann die erste Pille zu wirken und dann die Zweite. Gegen 22 Uhr war dann das Schulfest mehr oder weniger zu Ende, denn alle Pillenschlucker hatten sich in die umliegenden Wälder abgesetzt oder irrten die ganze Nacht planlos durch unsere malerische Altstadt. 30 Jahre später besuchte ich einen Freund in Mannheim, der erzählte mir von dem Besitzer eines Buchverlages, der einmal im Jahr eine Riesenfete in einem Odenwalddorf feiere. Es stellte sich heraus das dieser Verlagsbesitzer und unser damaliger Dealer ein und dieselbe Person waren. Er war ein feiner Kerl, gute Preise und er verkaufte keine harten Drogen. Harte Drogen zu nehmen war bei uns sowieso nicht in, wer es damit versuchen wollte wurde isoliert und aus unserer Gruppe ausgeschlossen. Deshalb gab es bei uns lange Jahre keine Fixer in der Stadt. Doch zurück zur Uni. Unser Film, die Spinne, wurde ziemlich gut und so beschlossen wir ihn bei der Filmbewertung Wiesbaden einzureichen - auf unsere Kosten. Wir hörten dann nie wieder davon. Als ich dort ein Jahr später anrief und fragte was denn nun mit der Bewertung sei, war man dort sehr verblüfft. Haben Sie den Bescheid nicht bekommen wurde ich gefragt, wir haben ihn direkt an die Schule geschickt. Ich stellte den Chef des Studienganges zur Rede. Unwirsch gab er mir den Bescheid. Wir hatten das Prädikat „ wertvoll „ erhalten. Es war der erste Film dieser Schule der je dieses Prädikat erhalten hatte und Herr Eichhoff der Studiengangleiter hatte es für sich behalten. Er sagte, ohne auch nur eine Spur schlechten Gewissens zu zeigen: „ falls es publik wird das auf unserer Kameraschule Filme gemacht werden, die ein Prädikat erhalten, dann bewerben sich auch die ganzen Filmemacher und dann haben wir statt 400 Bewerber 800 jedes Jahr und darauf hab ich keine Lust. Basta. „ Er hätte ja auch ein wenig stolz auf uns sein können. Das einzige Problem war Kremer, er gab Sozialkunde, war aber superrechts eingestellt. Als er erfuhr das ich für mein Referat über die Weimarer Republik als Quelle das Buch von Bernt Engelmann: Einig gegen Recht und Freiheit, verwenden wollte flippte er aus. Eine Woche vor dem Termin für meinen einstündigen Vortrag auf den ich mich gut vorbereitet hatte, sagte er mir er wolle nun kein Referat mehr sondern ein Kurzexposé, maximal 10 Zeilen. Das hätte ich nun leicht aus einem Lexikon abschreiben können. Meine ganze Arbeit war also umsonst gewesen. Deshalb hielt ich den Vortrag wie abgesprochen eine volle Stunde. Das war eine glatte sechs und er war sehr sauer, das er mir keine sechs ins Zeugnis setzen konnte, denn ich war zu gut bei den Tests. Ich beschloß ihn einfach zu ignorieren. Wir machten noch schnell einen zweiten Film: Die letzte Wette, die Verfilmung einer uralten Urban Legend. In einer Kneipe sitzen ein paar angetrunkene Zecher und beschliessen eine Mutprobe. Wer es wagt zum Friedhof zu gehen und dort ein Grabkreuz zu klauen, muß fortan nichts mehr bezahlen. Einer von Ihnen ist mutig und macht sich auf den Weg, holt ein Kreuz, bringt es in die Kneipe. Ein Bild des Toten ist darauf. Als er sich dieses Bild genauer ansieht, wechselt es und er sieht plötzlich sein Gesicht auf dem Kreuz. Er bekommt es mit der Angst zu tun und beschließt das Kreuz wieder zurückzubringen. Als er es gerade in den Boden rammen will wird er von dem Toten erwürgt. Man findet ihn am nächsten Tag. Leider hätten wir für diesen Film richtige Schauspieler gebraucht, die Komparsen mit denen wir es machten waren sauschlecht und so ist auch der Film einfach nur Müll, aber technisch sauber umgesetzt. Wir schrieben unsere Abschlußklausuren und ich bestand mit einem guten Notendurchschnitt. Fast alle hatten schon einen Job bei irgendeinem Sender, nur ich nicht, da ich ja nie Senderkontakte gehabt hatte. Doch dann geschah ein Wunder. Rita eine Sportstudentin, jobbte auch in der Lichtpauserei in der ich nebenbei arbeitete. Irgendwann fragte sie mich, was ich eigentlich so mache. Ich sagte ihr das ich bald arbeitsloser Kameraassistent sei. Ist ja witzig entgegnete sie, meine Schwägerin ist Aufnahmeleiterin beim Film. Ich geh da immer als Statist hin, hast Du Lust mitzukommen ? Na klar hatte ich Lust, es gab gutes Geld, wir sollten nur ein wenig tanzen, im Meadow einer Diskothek am Olivaer Platz. Der Film hieß Asphaltnacht und war von Peter Fratscher, Kameramann war Bernd Heinl. Wir machten uns auf den Weg in die große weite Welt des Films. Ich konnte nicht ahnen das dies mein Glückstag war
3.3.07 14:18


Hurra, ich bin beim Film

Nun ist es heute nicht so ganz einfach einen Job beim Film zu bekommen, damals wahrscheinlich auch nicht, aber ich hatte Glück. Steven Spielberg war ein Brieffreund von mir und den fragte ich einfach. Glaubt ihr nicht. Nun gut bleib ich bei der Wahrheit. Ich ging zum Arbeitsamt und sagte ich will zum Film. Keiner lachte. Ich war überrascht. Sie hatten ein Angebot. Eine Ausbildung zum Cutterassistent, 2 Jahre, Anfangsgehalt 130 DM. Wohlgemerkt nicht im Jahr 1930 sondern 1976, da war das verdammt wenig Kohle. Außerdem war es kein anerkannter Lehrberuf, also wohl Ausbeutung pur. Egal ich wollte zum Film.Zwei Tage später sollte mein Vorstellungsgespräch sein. Ich war ganz aufgeregt.Am selben Abend rief mich meine Mutter an und erzählte mir, das Klaus ein Bekannter von mir von einer Brücke gesprungen war, er war sofort tot. Sie wollte wissen ob ich es mal wieder geahnt hätte. Fehlanzeige ich hatte nichts geahnt. Es hatte schon einen Grund warum sie fragte. Als ich 17 war wachte ich schweißgebadet aus einem fürchterlichen Traum auf. Ich hatte Klaus in seinem Auto auf einem Feld gesehen, die Fenster geschlossen, mit einem Schlauch hatte er Autoabgase ins Auto geleitet . Er war leblos. Ich erzählte den Traum meiner Mutter und ging in die Schule. Klaus war einer der Ersten, die ich traf. Ich erzählte ihm nichts, denn seine Schwester hatte einige Jahre zuvor Selbstmord begangen. Einen Tag später als ich in die Schule kam sah alles ganz anders aus. Alle waren aufgeregt, denn Klaus hatte am Nachmittag davor einen Selbstmordversuch begangen, genauso wie ich es geträumt hatte - im Auto mit einem Schlauch, Gott sei Dank hatte er überlebt. Meine Mutter war völlig verstört, das ich anscheinend in die Zukunft sehen konnte. Zwei Monate später blieb mein Freund Hansi neben mir stehen und hupte. Er hatte einen neuen Käfer von seinem Vater bekommen. Ob ich mit zu den Petards wolle, das war eine Rockband die in der Nähe wohnte, die wir oft bei den Proben besuchten. Plötzlich ging es mir ganz schlecht, ich hatte Herzrasen, hörte Polizeisirenen. Ich sagte ab, aber Jürgen ein anderer Freund von uns stieg ein, ich gab ihm noch meine Jacke, da es abends schon kühl wurde, ging nach hause und legte mich erschöpft ins Bett. Es war 18 Uhr, eine völlig ungewohnte Urzeit für einen 17 jährigen. Gegen 20:30 wurde ich wach. Ich hörte meine Oma heulen, der Bürgermeister sprach auf sie ein. Viele Leute waren anscheinend da. Ich schaute aus dem Fenster und es wurde totenstill, dann machte sich Erleichterung breit. Ich hatte keine Ahnung um was es ging und ging runter. Alle redeten auf mich ein und fragten wer denn meine Jacke habe. Hansi war in einer Kurve die mit Leitplanken gesichert war, frontal gegen einen Lastwagen gefahren. Zwei LKw hatten sich dort verbotenerweise überholt. Er hatte wegen der Leitplanken keine Chance auszuweichen. Beide waren tot, Jürgen, der Beifahrer war nicht zu identifizieren, aber Hansis Eltern hatten meine Jacke erkannt. Der Bürgermeister hatte gerade meine Oma über meinen mutmaßlichen Tod informiert. Ich dachte nun wirklich, daß ich übersinnliche Fähigkeiten hätte, aber nie wieder konnte ich etwas voraussehen. Nur einmal in Russland bei einer Wahrsagerin, die unserem Fernsehteam aus der Hand las, passierte etwas merkwürdiges. Als ich an die Reihe kam, schaute sie in meine Handfläche, lächelte mich an und sagte: warum soll ich Dir aus der Hand lesen, Du mußt es doch viel besser wissen als ich. Doch nie wieder ist etwas passiert. Jahre später lernte ich bei einer Fernsehshow jemanden kennen der wirklich übersinnliche Fähigkeiten hatte. Er hiess James van Praagh und kam aus den USA, doch dazu kommen wir viel viel später. Ich bereitete mich auf mein Vorstellungsgespräch vor. Nach 5 Minuten hatte ich den Job und konnte gleich am nächsten Tag anfangen. Die Firma hieß Deutsche Synchron und synchronisierte ausländische Filme. Hurra, ich bin beim Film, Teil 2 Das war aber weiß Gott nicht die große weite Welt des Films. Ein Cutterassistent in einer Synchronfirma zu sein ist etwa so exotisch wie ein Stück Fa Seife. Die intellektuellen Anforderungen sind minimal, englisch sollte man zumindest verstehen. Man kümmert sich um den Ton und sitzt den ganzen Tag ( zumindest damals ) an einem Schneidetisch und hört sich irgendwelche Töne an. Die Firma Deutsche Synchron befand sich auf dem Gelände der Berliner Union Film Studios am Flughafen Tempelhof, das Aufregendste was dort zu dieser Zeit produziert wurde war die ZDF Hitparade. Man sah also zumindest die Schlagerfuzzis in der Kantine und hin und wieder einen Schauspieler, der dort in einem anderen Studio drehte. Ich landete in einem Schneideraum mit 5 anderen Mädels ( Assistentinnen ). Die waren alle sehr nett zu mir, ich war der Hahn im Korb, nur sobald eine von ihnen den Raum verließ fielen die anderen sofort über sie her. Hast Du ihre Schuhe gesehen, die Frisur und so weiter und so fort, Lästereien ohne Ende. Schrecklich. Ich hoffe Frauen sind nicht immer so wenn sie irgendwo zusammen arbeiten müssen, bei Männern gibts so was glaube ich nicht, hab ich jedenfalls nie erlebt. Der Chef war ein Tyrann, wollte jemand etwas von ihm, dann wurde ganz ängstlich erstmal im Büro angerufen und gefragt was für eine Laune er habe, zur Not verschob man das Gespräch auch mal um ein paar Wochen, aus Angst es könnte schlecht verlaufen. Die Cutterinnen ( nicht alle ) waren Divas, zickig und machten teils einen auf die große weite Welt des Films und taten sehr geheimnisvoll, wie viel angenehmer waren dann später doch die Filmcutterinnen beim richtigen Film. Der einzige Glanz waren die Synchronregisseure, die hatten teils Format, doch auch da brodelte die Gerüchteküche der Mädels, sie hatten über jeden was zu erzählen, besonders über Michael Richter den Bruder von Ilja. Legendär war Rainer Brandt, der „ Die Zwei „ synchronisiert hatte und mit seiner ganz eigenen Art die Dialoge neu zu schreiben, der Serie zum Erfolg verholfen hatte, die in anderen Ländern floppte. Nur der arbeitete nicht bei uns Die Synchronsprecher waren meist unbekanntere Schauspieler, nur an den Stimmen kannte erkannte man sie. War das nicht gerade John Wayne, den man auf dem Gang hörte, nein das war Arnold Marquis, seine Stimme ? Das übelste war aber der Job selbst. Da ich so billig war ( 130 DM im Monat ) durfte ich vorwiegend benutzte Perfobänder zusammenkleben. Das muß ich glaube ich erklären. Bei der Synchronisierung wurde der Ton auf 17,5 mm breiten, perforierten Magnetbändern aufgenommen. Wenn der deutsche Sprecher dann an das IT Band ( das heißt die internationale Tonspur des Films, das sind nur Musik und Geräusche drauf, ohne die Dialoge ) angelegt wurde, zerschnitt die Cutterin das Band in viele kleine Schnipsel, damit die Dialoge auch an die richtige Stelle kamen, dazwischen klebte sie eine andere Art Band . Nachdem der Film fertig war wurden die Bänder gelöscht und ich durfte die vielen kleinen Schnipsel wieder zu einem Band zusammenkleben. Bei einem Stundenlohn von 81 Pfennig war das natürlich viel billiger als ein neues Band zu kaufen, das sicher 20 Mark kostete wenn nicht sogar noch mehr. Dann fielen auch noch Überstunden an, die bei 81 Pfennig die Stunde überhaupt keinen Spaß machten, denn ich brauchte die freie Zeit abends um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit den Überstunden konnte ich nicht mehr nebenbei jobben, also auch nicht überleben. Ich lehnte also die Überstunden ab und flog nach 3 Monaten raus. Das hat man davon, wenn man sich gegen Ausbeutung und Sklaverei zur Wehr setzt. Aus und vorbei war es mit der großen Welt des Films, oder vielleicht doch nicht. Gebe zu der Text ist etwas uninspiriert, dafür kommen wir bald zu „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ zu David Bowie und anderen interessanten Leuten.
3.3.07 01:26


Ein Landei in der grossen Stadt

Nachdem ich ja schon den weit überschätzten Loveteil, der Love und Peace Hippiezeit abgehandelt habe, will ich nun ein wenig auf den weit unterschätzten Peaceteil eingehen. Rein optisch gesehen hat das wahrscheinlich total bescheuert ausgesehen auf jeden Fremden zuzugehen mit den zum Victory Zeichen gespreizten Fingern und hey Peace zu sagen, zumal man ja doch meist ziemlich breit in der Birne war und in diesem Zustand selbst den Teufel mit Peace begrüsst hatte, doch es war wirklich eine friedvolle Zeit. Schlägereien auf dem Schulhof - undenkbar - jeder Aggressor wäre sofort von einer Gruppe friedenswütiger Schüler umringt worden, die ihm ein freundliches hey Peace Mann ins Gesicht geschmettert hätten. Es gab nur einen Grund halbwegs Aggressionen zu zeigen, und zwar um in Rockkonzerte zu kommen. Damals war musikalisch einfach eine geile Zeit. Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, T-Rex, Steamhammer, Spooky Tooth standen am Anfang und waren noch keine Megaacts. Waren mehr Zuschauer da als Eintrittskarten wurden die Hallen gestürmt in diesem Chaos war es dann unmöhlich zu kontrollieren wer ne Karte hatte und er nicht Um es auf den Punkt zu bringen: Aggressionen waren ansonsten so ziemlich das uncoolste in dieser Zeit. Man ging freundlich miteinander um, Konkurrenzkampf schon in der Schule war uncool, man ließ abgucken und abschreiben und versuchte die Schwächsten nicht zu treten sondern ihnen zu helfen. Es war zwar cool lange Haare zu haben und hippe Klamotten zu tragen aber es ging nicht um Markenklamotten sondern um Individualität und Kreativität und andere die wegen ihrer Eltern konservativ altmodisch rumlaufen mussten wurden nicht ausgeschlossen sondern nur bedauert. Man war hilfsbereit, tolerant und ohne Vorurteile, Fremden gegenüber war man neugierig und nicht ablehnend. Grössere Strecken wurden per Anhalter zurückgelegt und das funktionierte gut. Wir sind einmal mit 30 Leuten ins 650 km entfernte Dänemark getrampt und waren alle am selben Abend da. Die Kriminalität war gering, kaum ein Autofahrer hatte Angst vor Trampern und auch die brauchten kaum etwas zu befürchten. Die einzigen Gefahren für Anhalter waren Schwule und das hatte gesellschaftliche Gründe. Damals gab es noch den diskriminierenden Paragrafen 175, der homosexuelle Betätigung unter Strafe stellte, was es für Homosexuelle tierisch erschwerte einen Sexualpartner zu finden. Wir mieden damals wie die Pest das Frankfurter Kreuz, denn dort fuhren Schwule immer im Kreis umher um ihr Glück bei männlichen Anhaltern zu versuchen. War man nicht willig dann hielten sie einfach an und warfen einen an Ort und Stelle raus und man konnte zur nächsten Auffahrt laufen. Ziemlich unangenehm. Zuerst die Anmache in einem fremden Auto und dann der Fußmarsch. Die 175 er, so wurden sie genannt, waren damals deshalb bei Trampern nicht gerade beliebt, zumal kaum ein Hetero damals wußte was schwul war, denn man kannte ja keinen. Erst viel später wurde mir klar was es mit den vielen Fräuleins die auf unserer Schule unterrichteten und die paarweise zusammenwohnten auf sich hatte. Der Groschen fiel bei mir erst als ich in die Schwulenhochburg Berlin gezogen bin. Berlin übte in dieser Zeit eine magische Anziehungskraft auf Männer zwischen 18 und 25 aus wegen einer politischen Besonderheit: Westberliner durften nicht zur Bundeswehr. Da wir ja alle peacemässig unterwegs waren gab es für uns ein Hauptproblem: die Bundeswehr. Natürlich verweigerten viele aus politischen Gründen andere aber weil sie schlicht keinen Bock hatten sich die Haare schneiden zu lassen, denn kurze Haare waren superuncool. Leider war die Verweigerung nicht so einfach wie heute, denn man musste eine Gewissensprüfung ablegen. Das heisst man wurde geladen und saß vor stockkonservativen Leuten und mußte denen klarmachen warum man nicht wollte. Man wurde immer mit den gleichen Fragen konfrontiert: Familie wird überfallen, greift man zur Waffe, die Freundin wird fast vergewaltigt und man kann sie nur per Waffengewalt retten usw. Mir kamen sie völlig doof. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht für 254,30 DM, gesponsort von meiner Oma. Da es ja theoretisch möglich sei mit dem Auto durch einen bösen Zufall einen Menschen zu überfahren, würden sie mich nur anerkennen wenn ich an Ort und Stelle meinen Führerschein abgäbe. Auf meinen Einwurf, das ich ja wohl kaum mit dem Vorsatz Auto fahren würde einen Menschen zu überfahren, im Gegensatz zu einem Soldaten im Gefechtsfall der sehr wohl den Vorsatz hat seine Gegner zu töten, gingen sie überhaupt nicht ein und erkannten meine Gewissenskonflikte nicht an. Jetzt blieb als einziger Ausweg nur noch die Flucht nach Berlin. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 1 Ich hatte keinen Bock auf die Bundeswehr, da blieb also nur die Flucht nach Berlin, aber wie. Da ich mich damals anstatt in die Schule zu gehen, häufig in unserer Bahnhofskneipe aufhielt um Karten zu spielen, waren mir natürlich fast alle Stammgäste bekannt. Plötzlich gab es dort einen Neuen, Gert, und oh Wunder der wohnte in Berlin war aber aus irgendeinem Dorf in der Nähe. Gert war etwa Ende 20 und bot mir an bei ihm zu wohnen, in Berlin natürlich nicht in seinem Dorf. Ich wußte allerdings nicht das Gert ziemlicher Säufer war und sich auch gerne Mal mit dem Gesetz anlegte. Ich packte also meine Siebensachen und fuhr mit meinem Polski Fiat nach Berlin. Fast wäre ich auf der ersten Fahrt schon gescheitert denn die damaligen Transitbestimmungen waren mir noch nicht so geläufig. Ich entdeckte auf halbem Weg in der Zone eine hübsche Tramperin, hielt an und nahm sie mit, sie sah aus wie ein Wessi. Wir unterhielten uns prächtig, sie schwärmte von meiner Musik und erzählte mir von allen In-Kneipen und Discos, die sie so besuchte. Gert hatte mir schon einiges über das Nachtleben von Berlin erzählt aber sie erwähnte völlig andere Lokalitäten mit teils merkwürdigen Namen. Ich versuchte mir alles zu merken. Kurz vor Michendorf erwähnte ich beiläufig, das ja jetzt bald der Abzweig nach Westberlin kommen müsse, den wir nicht verpassen sollten und da wurde sie plötzlich etwas blass. Sie sei aus Ostberlin erzählte sie und würde zwar gerne mitkommen, dürfe aber nicht und ob ich nicht wisse, das man als Wessi im Transit keine Ossis mitnehmen dürfe. Nee, wußte ich nicht. Und dann erzählte sie das der Rasthof Michendorf voller Stasileute sei, da könne sie nicht aussteigen. Sie bat mich an der Potsdamer Abfahrt gleich nach Michendorf zu halten und sie dort rauszulassen. Ich fuhr ein paar Meter die Abfahrt runter, hielt und wir luden ihr Gepäck aus. In diesem Moment hielt ein Vopo Lada oben an der Ausfahrt. Sie ging ganz eilig davon und ich fuhr wieder auf die Autobahn an den Vopos vorbei, die mir sofort folgten. Ich achtete jetzt pedantisch auf die Geschwindigkeit, denn die Vopos fuhren direkt hinter mir, bogen mit mir Richtung Westberlin ab . Ich hatte tierische Angst wollte nicht im Gulag in Sibirien landen und dachte mir permanent irgendwelche Ausreden aus. Kurz vor der Abfahrt Potsdam Babelsberg setzten sie zum Überholen an. Scheisse, dachte ich, so kurz vor dem Ziel. Nun drohte mir statt Bundeswehr ein sicherlich unangenehmer DDR Knast. Als sie parallel neben mir fuhren, öffnete der Beifahrer das Fenster, drohte mir mit dem Finger, worauf ich ihm sofort den Stinkefinger zeigte, darauf rammten sie mich, brachten mich nach Sibirien wo ich bei 40 Grad minus geteert und gefedert wurde und dann nackig durch die Tundra getragen wurde. Natürlich war ich nicht so blöd, sondern hob entschuldigend meine Schultern, sie fuhren an mir vorbei und bogen nach Babelsberg ab. Schweißgebadet kam ich in Westberlin an, das Bild von mir ( geteert, gefedert, minus 40 Grad, am Arsch der Welt ) noch vor Augen. Ich konnte damals nicht wissen das ich viel später die Abfahrt Babelsberg fast jeden Tag benutzen würde. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 2 Total fertig kam ich bei Gert an, nachdem ich mich etwa 10 mal verfahren hatte. Berlin Moabit war nun meine neue Heimat. Ich war total begeistert. Berlin hatte ungefähr zehnmal soviel Kneipen und Discos wie meine Heimatstadt Häuser, ich hätte Jahre gebraucht um alle zu besuchen, also konzentrierte ich mich auf wenige. Gert war eine Seele von Mensch, relativ arbeitsscheu, was damals zu Zeiten üppigen Arbeitslosengeldes kein Problem war. Leider änderte sich sein Charakter unter Alkoholeinfluss sehr heftig, aber das richtete sich nicht gegen mich, sondern vorwiegend gegen Staatsdiener. Er verkehrte gerne im Polkwitz, einer Saufkneipe am Olivaer Platz. Ich machte mich lieber auf die Suche nach einem Job, hatte erwartet das alle auf mich warten, aber das war leider eine Illusion. Zudem konnte ich ja auch nichts vorweisen, kam ja direkt von der Schule ohne Abitur. Gleich am nächsten Abend kam Gert gegen Mitternacht nach Hause, sturzbetrunken und zeigte mir ganz stolz einen Strafzettel, den er gerade erhalten hatte: Trunkenheit im Straßenverkehr als Fußgänger - kostete damals 20 Mark. Mir war bis dahin völlig unbekannt, das es ein solches Delikt überhaupt gab. Gert lebte in Scheidung, seine Ex arbeitete im Grunewald bei einer stinkreichen Familie, deren Firma Elektroherde herstellte. Sie wohnte auch dort. Eines nachts kam er auf die Idee, das der Fernseher den seine Ex mitgenommen hatte, eigentlich ihm gehörte. Also machte er sich hackebreit auf den Weg, suchte seine Ex auf und als die nicht öffnete, trat er die Tür ein, nahm den Fernseher und ging. Diese hatte natürlich sofort die Polizei angerufen als er krakeelent vor der Tür stand und als Gert mit dem Fernseher gerade zur Strasse gehen wollte, wurde er von seinen Freunden den Staatsdienern schon empfangen. Auf die Ermahnung den Fernseher doch zurückzubringen, ließ er ihn vor die Füße der Polizisten fallen. Es sei ja sein Fernseher und er könne damit machen was er wolle. Mit dieser Aktion brachte er es immerhin auf die Titelseite der BZ der Bild Zeitung von Berlin, davon träumen viele, Gert schaffte sowas ohne Probleme. Gott sei Dank fand ich bald einen Job als Fahrer in einer Lichtpauserei. Dies war der wichtigste Kontakt überhaupt, wie sich später herausstellen sollte, er ebnete mir den Weg ins Filmbusiness. Volker, der Chef trank auch ganz gern mal einen über den Durst und seine Frau verprasste das Geld was er verdiente. Beide waren aber supernett. Es ging nun auf Weihnachten zu als ich plötzlich durch lautes Gehämmere an der Tür wach wurde. Ich stand auf und hörte Gert rufen, laß mich schnell rein, ich hab keinen Schlüssel. Ich machte auf. Gert schloß die Tür sofort wieder ab, er hatte ein schönes blaues Veilchen. Er ging zum Fenster, da standen inzwischen an die 10 Taxen. Des Rätsels Lösung: Gert war mit dem Taxi gekommen, hatte sich mit dem Fahrer wegen des Fahrpreises gestritten, nicht den vollen Preis bezahlt und dieser hatte ihm sofort aufs Auge geschlagen. Gert war ins Haus geflüchtet und befürchtete nun die Lynchjustiz der Taxifahrer, denn sein Fahrer hatte Verstärkung geholt. Also rief Gert die Polizei an und bat volltrunken um Hilfe. Nach 10 Minuten wummerte es an der Tür: Aufmachen. Gert verstand das völlig falsch und dachte das seien die Taxifahrer. Also nahm er einen Spielzeugdegen der irgendwo herumlag ging zum Briefschlitz, stocherte hindurch und schrie: Haut ab ihr bekommt kein Geld. Aufmachen Polizei, hörte ich nur und dann wummerte es derartig gegen die Tür, das der Putz herunterfiel. Ich machte auf. Zwei Polizisten stürzten sich sofort auf mich, doch ein Taxifahrer der daneben stand sagte: Nee, der war et nich, der andere und zeigte auf Gert. Sie nahmen Gert in die Mangel und nahmen ihn mit. Um 6 Uhr hämmerte es erneut gegen die Tür. Ich machte freiwillig auf, es war die Kripo, die zu nachtschlafender Zeit mich vernehmen wollte. Ich erzählte ihnen das Gert selbst die Polizei gerufen hatte und zeigte ihnen den Gummidegen. Ich rechnete fest damit das er abends wieder zu Hause sein würde. Weit gefehlt. Mordversuch gegen einen Polizeibeamten lautete die Anklage - die wurde zwar wieder fallen gelassen, aber erst nach 4 Wochen Untersuchungshaft. Ich beschloß mir eine eigene Wohnung zu suchen und fand auch bald eine, trotz der Wohnungsnot in Berlin: Potsdamerstr. 63 lautete die Adresse. Dort wurde alles noch schlimmer, denn ich hatte eine Wohnung im übelsten Appartmentkomplex von Berlin gefunden, dort wohnte der Abschaum der Menschheit und ich mittendrin. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 3 Ich bezog also stolz wie Bolle meine erste eigene Wohnung, 23 qm möbiliert für 370 Mark bei 1000 netto die ich verdiente. Die Wohnung lag im zehnten Stock. Was mir bislang keiner so richtig erzählt hatte war das die Potsdamerstrasse damals der Berliner Rotlichtbezirk war. Man hatte mir bei der Hausverwaltung erzählt, das die Post eine komplette Etage gemietet hatte und das vorwiegend Westdeutsche im Haus wohnten, die gerade nach Berlin gezogen seien, das war ich ja schließlich auch. Die Frauen die ich hin und wieder im Fahrstuhl traf sahen schon ziemlich merkwürdig aus, ziemlich aufgedonnert, heute würde ich nuttig sagen, manchmal hatten sie aber auch ein Kreuz wie ein Holzfäller und sprachen auch sehr komisch, mit relativ tiefen Stimmen. Manchmal glaubte ich sogar etwas Bartwuchs erkennen zu können, die sahen dann richtig gefährlich aus. Das Frauen gefährlich sein können wußte ich seit meiner Kindheit. Als Fünfjährige hatten wir in einem Park ein Kondom entdeckt und rätselten was das sein könne. Fritz kam dazu. Er war schon sechs, also fast erwachsen. Schulmeisterlich klärte er uns auf und erzählte uns das sei ein Gummischutz, den brauche für den Schniedel wenn man Kinder machen wolle. Mir war zwar nicht ganz klar wie Kinder machen funktionierte aber es mußte sehr gefährlich sein wenn man einen Schutz dabei brauchte, das lag dann sicher an den Frauen. Spinnenfrauen fressen ja auch ihre Männer auf. Ich war zutiefst beunruhigt und achtete fortan darauf das beim pinkeln keine Mädchen in der Nähe waren - sicherheitshalber. Auf meiner Etage lebten Jimmy und Agnes, ein nettes Pärchen mit dem ich mich gleich anfreundete. Die erzählten mir das ganze Haus sei voller Schwuler, Transen, Zuhälter und Nutten. Es seien kaum normale Leute dabei - die beiden hatten recht. Nach 14 Tagen dann der erste Mord im Haus, ein anderer wurde in seinem Apartment eingemauert und mußte durch die Feuerwehr befreit werden. Ein neues Paar zog in unsere Etage. Ab diesem Tag kläffte ein Riesenschäferhund auf dem Balkon, jede Nacht, bis in die frühen Morgenstunden. Manchmal waren 30 Leute im Flur versammelt, aus der ganzen Nachbarschaft, die sich beschweren wollten - aber da war nie jemand zu Hause. wir holten die Polizei, die zuckten nur mit den Achseln und dann kamen sie irgendwann gar nicht mehr, wenn man anrief. Wir versuchten es mit in Wurst eingepackten Schlaftabletten die wir auf den Balkon warfen, es half nichts, der Hund kläffte einfach weiter. Ich wußte mittlerweile wer dort wohnte, ein blutjunger Zuhälter, der eine Türkin auf den Strich schickte. Ich fuhr also eines nachts zu dem Puff wo ich sie mal hatte stehen sehen. Da stand sie auch und er war dabei. Ich pflaumte ihn an, er solle seinen Hund mal ruhig stellen und wußte im selben Moment - bad idea. Er war zwar nicht kräftig genug und wagte es erst gar nicht mir eins aufs Maul zu hauen aber ruck-zuck war ich von heftigen, tätowierten, kräftigen, böse dreinschauenden Kerls umringt. Was ich denn wolle machte mich der Kräftigste von ihnen an. Äh - äh das sah gefährlich aus und in diesem Moment dachte ich das ich doch in meinem Dorf hätte bleiben sollen und brav zur Bundeswehr gehen. Ich fasste all meinen Mut zusammen und trat auf den Typ zu immer damit rechnend eine gedröhnt zu bekommen. Du scheinst hier der Chef zu sein, sagte ich zu ihm. Er nickte und verschränkte die Arme die meine Oberschenkel hätten sein können vor der Brust. Weißt Du ihr arbeitet nachts und wollt tagsüber eure Ruhe haben, ich arbeite tagsüber und will nachts schlafen und dann erzählte ich die Geschichte von dem Hund und das die ganze Gegend nicht schlafen könne. Er hörte sich alles ruhig an, bot mir eine Zigarette an und als wir dann rauchten sagte er ganz ruhig zu dem Jungzuhälter: Du gehst jetzt nach Hause, holst den Hund und wenn ich noch eine Beschwerde höre gibts was aufs Maul, die Leute wollen schlafen, die müssen morgens arbeiten. Soviel Klugheit, Konsequenz und Sachverstand würde ich mir manchmal von den Politikern wünschen. Ein Wunder war geschehen. Ich hatte keine Zähne verloren, war nicht schwer verletzt, kein Haar war gekrümmt und ich konnte fortan in Ruhe schlafen. Leider wohnten noch mehr Zuhälter im Haus. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 4 Der nächste Zuhälter mit dem ich zu tun bekam war etwa 1,60 groß aber sehr kompakt und kräftig. Dummerweise wohnte er auch in dem Haus. Er hatte eine deutsche Dogge, die fast so groß war wie er und eines Tages lief sie mir vor dem Haus vors Auto. Ich konnte gerade noch bremsen, aber es war wirklich knapp. Obwohl der Hund schuld war bedrohte mich der Idiot und sagte wenn er mich erwische würde er mich erschlagen. Ich hatte tierische Angst denn auf Prügeleien stehe ich überhaupt nicht. Fortan betrat ich das Haus nur wenn die Luft rein war und nahm nur den Fahrstuhl nach oben, nach unten lief ich die zehn Stockwerke. Nach einigen Wochen wurde ich unvorsichtig und nahm auch den Fahrstuhl nach unten. Er stoppte im sechsten, die Tür ging auf und wer trat ein: der Zuhälter. Er bot einen jämmerlichen Anblick. Das Gesicht war völlig blau geschlagen und beide Arme waren in Gips. Innerlich habe ich mich schlapp gelacht. Er grüßte freundlich und war ganz bescheiden. Eine Woche später klingelte mein Nachbar um halbzwölf sturm. Jimmy war ganz aufgeregt und wollte seine Neuigkeiten loswerden. Er hatte im Treppenhaus einen Revolver gefunden, geladen, eine echte Waffe keine Schreckschußpistole. Damit war er gleich hundert Meter weiter in den Bierhimmel gelaufen, eine Kneipe wo etwa 5000 Jahre Knast verkehrten und hatte sie dort für 300 Mark verkauft. Am nächsten morgen um 6 wurde Jimmy von der Polizei geweckt. Der Käufer hatte mit der Waffe gleich jemanden umgelegt. Das gab für Jimmy 6 Monate Gefängnis auf Bewährung und 1500 DM Geldstrafe, ein schlechtes Geschäft. Zwei weitere Wochen später kam ein Einschreiben von einem Anwalt, der wollte die Miete für 6 Monate nochmal kassieren. Des Rätsels Lösung: der Hausmeister bei dem wir cash bezahlten hatte die Mieten unterschlagen, von den Prostituierten hatte er sich in Naturalien bezahlen lassen, deshalb die Nachforderung und da ich eine Quittung verbaselt hatte konnte ich einen Monat doppelt bezahlen. Ich hatte mir einen schnieken Gebrauchtwagen angesehen und wollte den finanzieren, unerfahren wie ich war fiel ich dann auf den dümmsten Trick rein. Ich sollte eine unverbindliche Anfrage zur Finanzierung unterschreiben. Als ich gerade unterschrieben hatte stieß mich der Verkäufer weg, ein anderer brachte mir die Kopie eines unterschriebenen Kaufvertrages für einen Opel. Der Kaufvertrag hatte drunter gelegen es war nur nicht zu sehen gewesen, da die Gangster sich das Formular hatten drucken lassen und wer schaut denn schon nach ob die Durchschrift identisch ist. Die Anfrage zur Finanzierung warfen sie dann einfach weg, deshalb hatte er mich weggestossen, damit ich das oberste Blatt mit der Anfrage nicht nehmen konnte. Das waren 2600 DM Vertragsstrafe weil ich den Opel nicht abnahm. Es fiel mir äußerst schwer zu bezahlen. Vierzehn Tage später stand dann eine Warnung vor solchen Methoden in der Zeitung, leider 14 Tage zu spät. Ich hab allerdings keine Ahnung wer dem Verkäufer immer wieder alle vier Reifen platt gestochen hat, das ging über Jahre so ( war auch in der Zeitung ). Der Besitzer des Autohauses ersoff dann irgendwann beim Surfen in der Nordsee. Ich habe nicht geweint als ich dies las. Mit meinem Fahrerjob war ich nicht wirklich zufrieden, der Chef war nett aber intellektuell war der Job nicht der Bringer. Ich beschloß mein Leben zu ändern und zum Film zu gehen.
2.3.07 00:43


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