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Ein Landei in der grossen Stadt

Nachdem ich ja schon den weit überschätzten Loveteil, der Love und Peace Hippiezeit abgehandelt habe, will ich nun ein wenig auf den weit unterschätzten Peaceteil eingehen. Rein optisch gesehen hat das wahrscheinlich total bescheuert ausgesehen auf jeden Fremden zuzugehen mit den zum Victory Zeichen gespreizten Fingern und hey Peace zu sagen, zumal man ja doch meist ziemlich breit in der Birne war und in diesem Zustand selbst den Teufel mit Peace begrüsst hatte, doch es war wirklich eine friedvolle Zeit. Schlägereien auf dem Schulhof - undenkbar - jeder Aggressor wäre sofort von einer Gruppe friedenswütiger Schüler umringt worden, die ihm ein freundliches hey Peace Mann ins Gesicht geschmettert hätten. Es gab nur einen Grund halbwegs Aggressionen zu zeigen, und zwar um in Rockkonzerte zu kommen. Damals war musikalisch einfach eine geile Zeit. Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, T-Rex, Steamhammer, Spooky Tooth standen am Anfang und waren noch keine Megaacts. Waren mehr Zuschauer da als Eintrittskarten wurden die Hallen gestürmt in diesem Chaos war es dann unmöhlich zu kontrollieren wer ne Karte hatte und er nicht Um es auf den Punkt zu bringen: Aggressionen waren ansonsten so ziemlich das uncoolste in dieser Zeit. Man ging freundlich miteinander um, Konkurrenzkampf schon in der Schule war uncool, man ließ abgucken und abschreiben und versuchte die Schwächsten nicht zu treten sondern ihnen zu helfen. Es war zwar cool lange Haare zu haben und hippe Klamotten zu tragen aber es ging nicht um Markenklamotten sondern um Individualität und Kreativität und andere die wegen ihrer Eltern konservativ altmodisch rumlaufen mussten wurden nicht ausgeschlossen sondern nur bedauert. Man war hilfsbereit, tolerant und ohne Vorurteile, Fremden gegenüber war man neugierig und nicht ablehnend. Grössere Strecken wurden per Anhalter zurückgelegt und das funktionierte gut. Wir sind einmal mit 30 Leuten ins 650 km entfernte Dänemark getrampt und waren alle am selben Abend da. Die Kriminalität war gering, kaum ein Autofahrer hatte Angst vor Trampern und auch die brauchten kaum etwas zu befürchten. Die einzigen Gefahren für Anhalter waren Schwule und das hatte gesellschaftliche Gründe. Damals gab es noch den diskriminierenden Paragrafen 175, der homosexuelle Betätigung unter Strafe stellte, was es für Homosexuelle tierisch erschwerte einen Sexualpartner zu finden. Wir mieden damals wie die Pest das Frankfurter Kreuz, denn dort fuhren Schwule immer im Kreis umher um ihr Glück bei männlichen Anhaltern zu versuchen. War man nicht willig dann hielten sie einfach an und warfen einen an Ort und Stelle raus und man konnte zur nächsten Auffahrt laufen. Ziemlich unangenehm. Zuerst die Anmache in einem fremden Auto und dann der Fußmarsch. Die 175 er, so wurden sie genannt, waren damals deshalb bei Trampern nicht gerade beliebt, zumal kaum ein Hetero damals wußte was schwul war, denn man kannte ja keinen. Erst viel später wurde mir klar was es mit den vielen Fräuleins die auf unserer Schule unterrichteten und die paarweise zusammenwohnten auf sich hatte. Der Groschen fiel bei mir erst als ich in die Schwulenhochburg Berlin gezogen bin. Berlin übte in dieser Zeit eine magische Anziehungskraft auf Männer zwischen 18 und 25 aus wegen einer politischen Besonderheit: Westberliner durften nicht zur Bundeswehr. Da wir ja alle peacemässig unterwegs waren gab es für uns ein Hauptproblem: die Bundeswehr. Natürlich verweigerten viele aus politischen Gründen andere aber weil sie schlicht keinen Bock hatten sich die Haare schneiden zu lassen, denn kurze Haare waren superuncool. Leider war die Verweigerung nicht so einfach wie heute, denn man musste eine Gewissensprüfung ablegen. Das heisst man wurde geladen und saß vor stockkonservativen Leuten und mußte denen klarmachen warum man nicht wollte. Man wurde immer mit den gleichen Fragen konfrontiert: Familie wird überfallen, greift man zur Waffe, die Freundin wird fast vergewaltigt und man kann sie nur per Waffengewalt retten usw. Mir kamen sie völlig doof. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht für 254,30 DM, gesponsort von meiner Oma. Da es ja theoretisch möglich sei mit dem Auto durch einen bösen Zufall einen Menschen zu überfahren, würden sie mich nur anerkennen wenn ich an Ort und Stelle meinen Führerschein abgäbe. Auf meinen Einwurf, das ich ja wohl kaum mit dem Vorsatz Auto fahren würde einen Menschen zu überfahren, im Gegensatz zu einem Soldaten im Gefechtsfall der sehr wohl den Vorsatz hat seine Gegner zu töten, gingen sie überhaupt nicht ein und erkannten meine Gewissenskonflikte nicht an. Jetzt blieb als einziger Ausweg nur noch die Flucht nach Berlin. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 1 Ich hatte keinen Bock auf die Bundeswehr, da blieb also nur die Flucht nach Berlin, aber wie. Da ich mich damals anstatt in die Schule zu gehen, häufig in unserer Bahnhofskneipe aufhielt um Karten zu spielen, waren mir natürlich fast alle Stammgäste bekannt. Plötzlich gab es dort einen Neuen, Gert, und oh Wunder der wohnte in Berlin war aber aus irgendeinem Dorf in der Nähe. Gert war etwa Ende 20 und bot mir an bei ihm zu wohnen, in Berlin natürlich nicht in seinem Dorf. Ich wußte allerdings nicht das Gert ziemlicher Säufer war und sich auch gerne Mal mit dem Gesetz anlegte. Ich packte also meine Siebensachen und fuhr mit meinem Polski Fiat nach Berlin. Fast wäre ich auf der ersten Fahrt schon gescheitert denn die damaligen Transitbestimmungen waren mir noch nicht so geläufig. Ich entdeckte auf halbem Weg in der Zone eine hübsche Tramperin, hielt an und nahm sie mit, sie sah aus wie ein Wessi. Wir unterhielten uns prächtig, sie schwärmte von meiner Musik und erzählte mir von allen In-Kneipen und Discos, die sie so besuchte. Gert hatte mir schon einiges über das Nachtleben von Berlin erzählt aber sie erwähnte völlig andere Lokalitäten mit teils merkwürdigen Namen. Ich versuchte mir alles zu merken. Kurz vor Michendorf erwähnte ich beiläufig, das ja jetzt bald der Abzweig nach Westberlin kommen müsse, den wir nicht verpassen sollten und da wurde sie plötzlich etwas blass. Sie sei aus Ostberlin erzählte sie und würde zwar gerne mitkommen, dürfe aber nicht und ob ich nicht wisse, das man als Wessi im Transit keine Ossis mitnehmen dürfe. Nee, wußte ich nicht. Und dann erzählte sie das der Rasthof Michendorf voller Stasileute sei, da könne sie nicht aussteigen. Sie bat mich an der Potsdamer Abfahrt gleich nach Michendorf zu halten und sie dort rauszulassen. Ich fuhr ein paar Meter die Abfahrt runter, hielt und wir luden ihr Gepäck aus. In diesem Moment hielt ein Vopo Lada oben an der Ausfahrt. Sie ging ganz eilig davon und ich fuhr wieder auf die Autobahn an den Vopos vorbei, die mir sofort folgten. Ich achtete jetzt pedantisch auf die Geschwindigkeit, denn die Vopos fuhren direkt hinter mir, bogen mit mir Richtung Westberlin ab . Ich hatte tierische Angst wollte nicht im Gulag in Sibirien landen und dachte mir permanent irgendwelche Ausreden aus. Kurz vor der Abfahrt Potsdam Babelsberg setzten sie zum Überholen an. Scheisse, dachte ich, so kurz vor dem Ziel. Nun drohte mir statt Bundeswehr ein sicherlich unangenehmer DDR Knast. Als sie parallel neben mir fuhren, öffnete der Beifahrer das Fenster, drohte mir mit dem Finger, worauf ich ihm sofort den Stinkefinger zeigte, darauf rammten sie mich, brachten mich nach Sibirien wo ich bei 40 Grad minus geteert und gefedert wurde und dann nackig durch die Tundra getragen wurde. Natürlich war ich nicht so blöd, sondern hob entschuldigend meine Schultern, sie fuhren an mir vorbei und bogen nach Babelsberg ab. Schweißgebadet kam ich in Westberlin an, das Bild von mir ( geteert, gefedert, minus 40 Grad, am Arsch der Welt ) noch vor Augen. Ich konnte damals nicht wissen das ich viel später die Abfahrt Babelsberg fast jeden Tag benutzen würde. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 2 Total fertig kam ich bei Gert an, nachdem ich mich etwa 10 mal verfahren hatte. Berlin Moabit war nun meine neue Heimat. Ich war total begeistert. Berlin hatte ungefähr zehnmal soviel Kneipen und Discos wie meine Heimatstadt Häuser, ich hätte Jahre gebraucht um alle zu besuchen, also konzentrierte ich mich auf wenige. Gert war eine Seele von Mensch, relativ arbeitsscheu, was damals zu Zeiten üppigen Arbeitslosengeldes kein Problem war. Leider änderte sich sein Charakter unter Alkoholeinfluss sehr heftig, aber das richtete sich nicht gegen mich, sondern vorwiegend gegen Staatsdiener. Er verkehrte gerne im Polkwitz, einer Saufkneipe am Olivaer Platz. Ich machte mich lieber auf die Suche nach einem Job, hatte erwartet das alle auf mich warten, aber das war leider eine Illusion. Zudem konnte ich ja auch nichts vorweisen, kam ja direkt von der Schule ohne Abitur. Gleich am nächsten Abend kam Gert gegen Mitternacht nach Hause, sturzbetrunken und zeigte mir ganz stolz einen Strafzettel, den er gerade erhalten hatte: Trunkenheit im Straßenverkehr als Fußgänger - kostete damals 20 Mark. Mir war bis dahin völlig unbekannt, das es ein solches Delikt überhaupt gab. Gert lebte in Scheidung, seine Ex arbeitete im Grunewald bei einer stinkreichen Familie, deren Firma Elektroherde herstellte. Sie wohnte auch dort. Eines nachts kam er auf die Idee, das der Fernseher den seine Ex mitgenommen hatte, eigentlich ihm gehörte. Also machte er sich hackebreit auf den Weg, suchte seine Ex auf und als die nicht öffnete, trat er die Tür ein, nahm den Fernseher und ging. Diese hatte natürlich sofort die Polizei angerufen als er krakeelent vor der Tür stand und als Gert mit dem Fernseher gerade zur Strasse gehen wollte, wurde er von seinen Freunden den Staatsdienern schon empfangen. Auf die Ermahnung den Fernseher doch zurückzubringen, ließ er ihn vor die Füße der Polizisten fallen. Es sei ja sein Fernseher und er könne damit machen was er wolle. Mit dieser Aktion brachte er es immerhin auf die Titelseite der BZ der Bild Zeitung von Berlin, davon träumen viele, Gert schaffte sowas ohne Probleme. Gott sei Dank fand ich bald einen Job als Fahrer in einer Lichtpauserei. Dies war der wichtigste Kontakt überhaupt, wie sich später herausstellen sollte, er ebnete mir den Weg ins Filmbusiness. Volker, der Chef trank auch ganz gern mal einen über den Durst und seine Frau verprasste das Geld was er verdiente. Beide waren aber supernett. Es ging nun auf Weihnachten zu als ich plötzlich durch lautes Gehämmere an der Tür wach wurde. Ich stand auf und hörte Gert rufen, laß mich schnell rein, ich hab keinen Schlüssel. Ich machte auf. Gert schloß die Tür sofort wieder ab, er hatte ein schönes blaues Veilchen. Er ging zum Fenster, da standen inzwischen an die 10 Taxen. Des Rätsels Lösung: Gert war mit dem Taxi gekommen, hatte sich mit dem Fahrer wegen des Fahrpreises gestritten, nicht den vollen Preis bezahlt und dieser hatte ihm sofort aufs Auge geschlagen. Gert war ins Haus geflüchtet und befürchtete nun die Lynchjustiz der Taxifahrer, denn sein Fahrer hatte Verstärkung geholt. Also rief Gert die Polizei an und bat volltrunken um Hilfe. Nach 10 Minuten wummerte es an der Tür: Aufmachen. Gert verstand das völlig falsch und dachte das seien die Taxifahrer. Also nahm er einen Spielzeugdegen der irgendwo herumlag ging zum Briefschlitz, stocherte hindurch und schrie: Haut ab ihr bekommt kein Geld. Aufmachen Polizei, hörte ich nur und dann wummerte es derartig gegen die Tür, das der Putz herunterfiel. Ich machte auf. Zwei Polizisten stürzten sich sofort auf mich, doch ein Taxifahrer der daneben stand sagte: Nee, der war et nich, der andere und zeigte auf Gert. Sie nahmen Gert in die Mangel und nahmen ihn mit. Um 6 Uhr hämmerte es erneut gegen die Tür. Ich machte freiwillig auf, es war die Kripo, die zu nachtschlafender Zeit mich vernehmen wollte. Ich erzählte ihnen das Gert selbst die Polizei gerufen hatte und zeigte ihnen den Gummidegen. Ich rechnete fest damit das er abends wieder zu Hause sein würde. Weit gefehlt. Mordversuch gegen einen Polizeibeamten lautete die Anklage - die wurde zwar wieder fallen gelassen, aber erst nach 4 Wochen Untersuchungshaft. Ich beschloß mir eine eigene Wohnung zu suchen und fand auch bald eine, trotz der Wohnungsnot in Berlin: Potsdamerstr. 63 lautete die Adresse. Dort wurde alles noch schlimmer, denn ich hatte eine Wohnung im übelsten Appartmentkomplex von Berlin gefunden, dort wohnte der Abschaum der Menschheit und ich mittendrin. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 3 Ich bezog also stolz wie Bolle meine erste eigene Wohnung, 23 qm möbiliert für 370 Mark bei 1000 netto die ich verdiente. Die Wohnung lag im zehnten Stock. Was mir bislang keiner so richtig erzählt hatte war das die Potsdamerstrasse damals der Berliner Rotlichtbezirk war. Man hatte mir bei der Hausverwaltung erzählt, das die Post eine komplette Etage gemietet hatte und das vorwiegend Westdeutsche im Haus wohnten, die gerade nach Berlin gezogen seien, das war ich ja schließlich auch. Die Frauen die ich hin und wieder im Fahrstuhl traf sahen schon ziemlich merkwürdig aus, ziemlich aufgedonnert, heute würde ich nuttig sagen, manchmal hatten sie aber auch ein Kreuz wie ein Holzfäller und sprachen auch sehr komisch, mit relativ tiefen Stimmen. Manchmal glaubte ich sogar etwas Bartwuchs erkennen zu können, die sahen dann richtig gefährlich aus. Das Frauen gefährlich sein können wußte ich seit meiner Kindheit. Als Fünfjährige hatten wir in einem Park ein Kondom entdeckt und rätselten was das sein könne. Fritz kam dazu. Er war schon sechs, also fast erwachsen. Schulmeisterlich klärte er uns auf und erzählte uns das sei ein Gummischutz, den brauche für den Schniedel wenn man Kinder machen wolle. Mir war zwar nicht ganz klar wie Kinder machen funktionierte aber es mußte sehr gefährlich sein wenn man einen Schutz dabei brauchte, das lag dann sicher an den Frauen. Spinnenfrauen fressen ja auch ihre Männer auf. Ich war zutiefst beunruhigt und achtete fortan darauf das beim pinkeln keine Mädchen in der Nähe waren - sicherheitshalber. Auf meiner Etage lebten Jimmy und Agnes, ein nettes Pärchen mit dem ich mich gleich anfreundete. Die erzählten mir das ganze Haus sei voller Schwuler, Transen, Zuhälter und Nutten. Es seien kaum normale Leute dabei - die beiden hatten recht. Nach 14 Tagen dann der erste Mord im Haus, ein anderer wurde in seinem Apartment eingemauert und mußte durch die Feuerwehr befreit werden. Ein neues Paar zog in unsere Etage. Ab diesem Tag kläffte ein Riesenschäferhund auf dem Balkon, jede Nacht, bis in die frühen Morgenstunden. Manchmal waren 30 Leute im Flur versammelt, aus der ganzen Nachbarschaft, die sich beschweren wollten - aber da war nie jemand zu Hause. wir holten die Polizei, die zuckten nur mit den Achseln und dann kamen sie irgendwann gar nicht mehr, wenn man anrief. Wir versuchten es mit in Wurst eingepackten Schlaftabletten die wir auf den Balkon warfen, es half nichts, der Hund kläffte einfach weiter. Ich wußte mittlerweile wer dort wohnte, ein blutjunger Zuhälter, der eine Türkin auf den Strich schickte. Ich fuhr also eines nachts zu dem Puff wo ich sie mal hatte stehen sehen. Da stand sie auch und er war dabei. Ich pflaumte ihn an, er solle seinen Hund mal ruhig stellen und wußte im selben Moment - bad idea. Er war zwar nicht kräftig genug und wagte es erst gar nicht mir eins aufs Maul zu hauen aber ruck-zuck war ich von heftigen, tätowierten, kräftigen, böse dreinschauenden Kerls umringt. Was ich denn wolle machte mich der Kräftigste von ihnen an. Äh - äh das sah gefährlich aus und in diesem Moment dachte ich das ich doch in meinem Dorf hätte bleiben sollen und brav zur Bundeswehr gehen. Ich fasste all meinen Mut zusammen und trat auf den Typ zu immer damit rechnend eine gedröhnt zu bekommen. Du scheinst hier der Chef zu sein, sagte ich zu ihm. Er nickte und verschränkte die Arme die meine Oberschenkel hätten sein können vor der Brust. Weißt Du ihr arbeitet nachts und wollt tagsüber eure Ruhe haben, ich arbeite tagsüber und will nachts schlafen und dann erzählte ich die Geschichte von dem Hund und das die ganze Gegend nicht schlafen könne. Er hörte sich alles ruhig an, bot mir eine Zigarette an und als wir dann rauchten sagte er ganz ruhig zu dem Jungzuhälter: Du gehst jetzt nach Hause, holst den Hund und wenn ich noch eine Beschwerde höre gibts was aufs Maul, die Leute wollen schlafen, die müssen morgens arbeiten. Soviel Klugheit, Konsequenz und Sachverstand würde ich mir manchmal von den Politikern wünschen. Ein Wunder war geschehen. Ich hatte keine Zähne verloren, war nicht schwer verletzt, kein Haar war gekrümmt und ich konnte fortan in Ruhe schlafen. Leider wohnten noch mehr Zuhälter im Haus. Ein Landei in der großen Stadt, Teil 4 Der nächste Zuhälter mit dem ich zu tun bekam war etwa 1,60 groß aber sehr kompakt und kräftig. Dummerweise wohnte er auch in dem Haus. Er hatte eine deutsche Dogge, die fast so groß war wie er und eines Tages lief sie mir vor dem Haus vors Auto. Ich konnte gerade noch bremsen, aber es war wirklich knapp. Obwohl der Hund schuld war bedrohte mich der Idiot und sagte wenn er mich erwische würde er mich erschlagen. Ich hatte tierische Angst denn auf Prügeleien stehe ich überhaupt nicht. Fortan betrat ich das Haus nur wenn die Luft rein war und nahm nur den Fahrstuhl nach oben, nach unten lief ich die zehn Stockwerke. Nach einigen Wochen wurde ich unvorsichtig und nahm auch den Fahrstuhl nach unten. Er stoppte im sechsten, die Tür ging auf und wer trat ein: der Zuhälter. Er bot einen jämmerlichen Anblick. Das Gesicht war völlig blau geschlagen und beide Arme waren in Gips. Innerlich habe ich mich schlapp gelacht. Er grüßte freundlich und war ganz bescheiden. Eine Woche später klingelte mein Nachbar um halbzwölf sturm. Jimmy war ganz aufgeregt und wollte seine Neuigkeiten loswerden. Er hatte im Treppenhaus einen Revolver gefunden, geladen, eine echte Waffe keine Schreckschußpistole. Damit war er gleich hundert Meter weiter in den Bierhimmel gelaufen, eine Kneipe wo etwa 5000 Jahre Knast verkehrten und hatte sie dort für 300 Mark verkauft. Am nächsten morgen um 6 wurde Jimmy von der Polizei geweckt. Der Käufer hatte mit der Waffe gleich jemanden umgelegt. Das gab für Jimmy 6 Monate Gefängnis auf Bewährung und 1500 DM Geldstrafe, ein schlechtes Geschäft. Zwei weitere Wochen später kam ein Einschreiben von einem Anwalt, der wollte die Miete für 6 Monate nochmal kassieren. Des Rätsels Lösung: der Hausmeister bei dem wir cash bezahlten hatte die Mieten unterschlagen, von den Prostituierten hatte er sich in Naturalien bezahlen lassen, deshalb die Nachforderung und da ich eine Quittung verbaselt hatte konnte ich einen Monat doppelt bezahlen. Ich hatte mir einen schnieken Gebrauchtwagen angesehen und wollte den finanzieren, unerfahren wie ich war fiel ich dann auf den dümmsten Trick rein. Ich sollte eine unverbindliche Anfrage zur Finanzierung unterschreiben. Als ich gerade unterschrieben hatte stieß mich der Verkäufer weg, ein anderer brachte mir die Kopie eines unterschriebenen Kaufvertrages für einen Opel. Der Kaufvertrag hatte drunter gelegen es war nur nicht zu sehen gewesen, da die Gangster sich das Formular hatten drucken lassen und wer schaut denn schon nach ob die Durchschrift identisch ist. Die Anfrage zur Finanzierung warfen sie dann einfach weg, deshalb hatte er mich weggestossen, damit ich das oberste Blatt mit der Anfrage nicht nehmen konnte. Das waren 2600 DM Vertragsstrafe weil ich den Opel nicht abnahm. Es fiel mir äußerst schwer zu bezahlen. Vierzehn Tage später stand dann eine Warnung vor solchen Methoden in der Zeitung, leider 14 Tage zu spät. Ich hab allerdings keine Ahnung wer dem Verkäufer immer wieder alle vier Reifen platt gestochen hat, das ging über Jahre so ( war auch in der Zeitung ). Der Besitzer des Autohauses ersoff dann irgendwann beim Surfen in der Nordsee. Ich habe nicht geweint als ich dies las. Mit meinem Fahrerjob war ich nicht wirklich zufrieden, der Chef war nett aber intellektuell war der Job nicht der Bringer. Ich beschloß mein Leben zu ändern und zum Film zu gehen.
2.3.07 00:43
 


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Rossige Natter / Website (2.3.07 03:12)
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