Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 

Webnews



http://myblog.de/podz54

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Hurra, ich bin beim Film

Nun ist es heute nicht so ganz einfach einen Job beim Film zu bekommen, damals wahrscheinlich auch nicht, aber ich hatte Glück. Steven Spielberg war ein Brieffreund von mir und den fragte ich einfach. Glaubt ihr nicht. Nun gut bleib ich bei der Wahrheit. Ich ging zum Arbeitsamt und sagte ich will zum Film. Keiner lachte. Ich war überrascht. Sie hatten ein Angebot. Eine Ausbildung zum Cutterassistent, 2 Jahre, Anfangsgehalt 130 DM. Wohlgemerkt nicht im Jahr 1930 sondern 1976, da war das verdammt wenig Kohle. Außerdem war es kein anerkannter Lehrberuf, also wohl Ausbeutung pur. Egal ich wollte zum Film.Zwei Tage später sollte mein Vorstellungsgespräch sein. Ich war ganz aufgeregt.Am selben Abend rief mich meine Mutter an und erzählte mir, das Klaus ein Bekannter von mir von einer Brücke gesprungen war, er war sofort tot. Sie wollte wissen ob ich es mal wieder geahnt hätte. Fehlanzeige ich hatte nichts geahnt. Es hatte schon einen Grund warum sie fragte. Als ich 17 war wachte ich schweißgebadet aus einem fürchterlichen Traum auf. Ich hatte Klaus in seinem Auto auf einem Feld gesehen, die Fenster geschlossen, mit einem Schlauch hatte er Autoabgase ins Auto geleitet . Er war leblos. Ich erzählte den Traum meiner Mutter und ging in die Schule. Klaus war einer der Ersten, die ich traf. Ich erzählte ihm nichts, denn seine Schwester hatte einige Jahre zuvor Selbstmord begangen. Einen Tag später als ich in die Schule kam sah alles ganz anders aus. Alle waren aufgeregt, denn Klaus hatte am Nachmittag davor einen Selbstmordversuch begangen, genauso wie ich es geträumt hatte - im Auto mit einem Schlauch, Gott sei Dank hatte er überlebt. Meine Mutter war völlig verstört, das ich anscheinend in die Zukunft sehen konnte. Zwei Monate später blieb mein Freund Hansi neben mir stehen und hupte. Er hatte einen neuen Käfer von seinem Vater bekommen. Ob ich mit zu den Petards wolle, das war eine Rockband die in der Nähe wohnte, die wir oft bei den Proben besuchten. Plötzlich ging es mir ganz schlecht, ich hatte Herzrasen, hörte Polizeisirenen. Ich sagte ab, aber Jürgen ein anderer Freund von uns stieg ein, ich gab ihm noch meine Jacke, da es abends schon kühl wurde, ging nach hause und legte mich erschöpft ins Bett. Es war 18 Uhr, eine völlig ungewohnte Urzeit für einen 17 jährigen. Gegen 20:30 wurde ich wach. Ich hörte meine Oma heulen, der Bürgermeister sprach auf sie ein. Viele Leute waren anscheinend da. Ich schaute aus dem Fenster und es wurde totenstill, dann machte sich Erleichterung breit. Ich hatte keine Ahnung um was es ging und ging runter. Alle redeten auf mich ein und fragten wer denn meine Jacke habe. Hansi war in einer Kurve die mit Leitplanken gesichert war, frontal gegen einen Lastwagen gefahren. Zwei LKw hatten sich dort verbotenerweise überholt. Er hatte wegen der Leitplanken keine Chance auszuweichen. Beide waren tot, Jürgen, der Beifahrer war nicht zu identifizieren, aber Hansis Eltern hatten meine Jacke erkannt. Der Bürgermeister hatte gerade meine Oma über meinen mutmaßlichen Tod informiert. Ich dachte nun wirklich, daß ich übersinnliche Fähigkeiten hätte, aber nie wieder konnte ich etwas voraussehen. Nur einmal in Russland bei einer Wahrsagerin, die unserem Fernsehteam aus der Hand las, passierte etwas merkwürdiges. Als ich an die Reihe kam, schaute sie in meine Handfläche, lächelte mich an und sagte: warum soll ich Dir aus der Hand lesen, Du mußt es doch viel besser wissen als ich. Doch nie wieder ist etwas passiert. Jahre später lernte ich bei einer Fernsehshow jemanden kennen der wirklich übersinnliche Fähigkeiten hatte. Er hiess James van Praagh und kam aus den USA, doch dazu kommen wir viel viel später. Ich bereitete mich auf mein Vorstellungsgespräch vor. Nach 5 Minuten hatte ich den Job und konnte gleich am nächsten Tag anfangen. Die Firma hieß Deutsche Synchron und synchronisierte ausländische Filme. Hurra, ich bin beim Film, Teil 2 Das war aber weiß Gott nicht die große weite Welt des Films. Ein Cutterassistent in einer Synchronfirma zu sein ist etwa so exotisch wie ein Stück Fa Seife. Die intellektuellen Anforderungen sind minimal, englisch sollte man zumindest verstehen. Man kümmert sich um den Ton und sitzt den ganzen Tag ( zumindest damals ) an einem Schneidetisch und hört sich irgendwelche Töne an. Die Firma Deutsche Synchron befand sich auf dem Gelände der Berliner Union Film Studios am Flughafen Tempelhof, das Aufregendste was dort zu dieser Zeit produziert wurde war die ZDF Hitparade. Man sah also zumindest die Schlagerfuzzis in der Kantine und hin und wieder einen Schauspieler, der dort in einem anderen Studio drehte. Ich landete in einem Schneideraum mit 5 anderen Mädels ( Assistentinnen ). Die waren alle sehr nett zu mir, ich war der Hahn im Korb, nur sobald eine von ihnen den Raum verließ fielen die anderen sofort über sie her. Hast Du ihre Schuhe gesehen, die Frisur und so weiter und so fort, Lästereien ohne Ende. Schrecklich. Ich hoffe Frauen sind nicht immer so wenn sie irgendwo zusammen arbeiten müssen, bei Männern gibts so was glaube ich nicht, hab ich jedenfalls nie erlebt. Der Chef war ein Tyrann, wollte jemand etwas von ihm, dann wurde ganz ängstlich erstmal im Büro angerufen und gefragt was für eine Laune er habe, zur Not verschob man das Gespräch auch mal um ein paar Wochen, aus Angst es könnte schlecht verlaufen. Die Cutterinnen ( nicht alle ) waren Divas, zickig und machten teils einen auf die große weite Welt des Films und taten sehr geheimnisvoll, wie viel angenehmer waren dann später doch die Filmcutterinnen beim richtigen Film. Der einzige Glanz waren die Synchronregisseure, die hatten teils Format, doch auch da brodelte die Gerüchteküche der Mädels, sie hatten über jeden was zu erzählen, besonders über Michael Richter den Bruder von Ilja. Legendär war Rainer Brandt, der „ Die Zwei „ synchronisiert hatte und mit seiner ganz eigenen Art die Dialoge neu zu schreiben, der Serie zum Erfolg verholfen hatte, die in anderen Ländern floppte. Nur der arbeitete nicht bei uns Die Synchronsprecher waren meist unbekanntere Schauspieler, nur an den Stimmen kannte erkannte man sie. War das nicht gerade John Wayne, den man auf dem Gang hörte, nein das war Arnold Marquis, seine Stimme ? Das übelste war aber der Job selbst. Da ich so billig war ( 130 DM im Monat ) durfte ich vorwiegend benutzte Perfobänder zusammenkleben. Das muß ich glaube ich erklären. Bei der Synchronisierung wurde der Ton auf 17,5 mm breiten, perforierten Magnetbändern aufgenommen. Wenn der deutsche Sprecher dann an das IT Band ( das heißt die internationale Tonspur des Films, das sind nur Musik und Geräusche drauf, ohne die Dialoge ) angelegt wurde, zerschnitt die Cutterin das Band in viele kleine Schnipsel, damit die Dialoge auch an die richtige Stelle kamen, dazwischen klebte sie eine andere Art Band . Nachdem der Film fertig war wurden die Bänder gelöscht und ich durfte die vielen kleinen Schnipsel wieder zu einem Band zusammenkleben. Bei einem Stundenlohn von 81 Pfennig war das natürlich viel billiger als ein neues Band zu kaufen, das sicher 20 Mark kostete wenn nicht sogar noch mehr. Dann fielen auch noch Überstunden an, die bei 81 Pfennig die Stunde überhaupt keinen Spaß machten, denn ich brauchte die freie Zeit abends um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit den Überstunden konnte ich nicht mehr nebenbei jobben, also auch nicht überleben. Ich lehnte also die Überstunden ab und flog nach 3 Monaten raus. Das hat man davon, wenn man sich gegen Ausbeutung und Sklaverei zur Wehr setzt. Aus und vorbei war es mit der großen Welt des Films, oder vielleicht doch nicht. Gebe zu der Text ist etwas uninspiriert, dafür kommen wir bald zu „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ zu David Bowie und anderen interessanten Leuten.
3.3.07 01:26
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung