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Hurra, ich bin beim Film Teil 2

Das war aber weiß Gott nicht die große weite Welt des Films. Ein Cutterassistent in einer Synchronfirma zu sein ist etwa so exotisch wie ein Stück Fa Seife. Die intellektuellen Anforderungen sind minimal, englisch sollte man zumindest verstehen. Man kümmert sich um den Ton und sitzt den ganzen Tag ( zumindest damals ) an einem Schneidetisch und hört sich irgendwelche Töne an. Die Firma Deutsche Synchron befand sich auf dem Gelände der Berliner Union Film Studios am Flughafen Tempelhof, das Aufregendste was dort zu dieser Zeit produziert wurde war die ZDF Hitparade. Man sah also zumindest die Schlagerfuzzis in der Kantine und hin und wieder einen Schauspieler, der dort in einem anderen Studio drehte. Ich landete in einem Schneideraum mit 5 anderen Mädels ( Assistentinnen ). Die waren alle sehr nett zu mir, ich war der Hahn im Korb, nur sobald eine von ihnen den Raum verließ fielen die anderen sofort über sie her. Hast Du ihre Schuhe gesehen, die Frisur und so weiter und so fort, Lästereien ohne Ende. Schrecklich. Ich hoffe Frauen sind nicht immer so wenn sie irgendwo zusammen arbeiten müssen, bei Männern gibts so was glaube ich nicht, hab ich jedenfalls nie erlebt. Der Chef war ein Tyrann, wollte jemand etwas von ihm, dann wurde ganz ängstlich erstmal im Büro angerufen und gefragt was für eine Laune er habe, zur Not verschob man das Gespräch auch mal um ein paar Wochen, aus Angst es könnte schlecht verlaufen. Die Cutterinnen ( nicht alle ) waren Divas, zickig und machten teils einen auf die große weite Welt des Films und taten sehr geheimnisvoll, wie viel angenehmer waren dann später doch die Filmcutterinnen beim richtigen Film. Der einzige Glanz waren die Synchronregisseure, die hatten teils Format, doch auch da brodelte die Gerüchteküche der Mädels, sie hatten über jeden was zu erzählen, besonders über Michael Richter den Bruder von Ilja. Legendär war Rainer Brandt, der „ Die Zwei „ synchronisiert hatte und mit seiner ganz eigenen Art die Dialoge neu zu schreiben, der Serie zum Erfolg verholfen hatte, die in anderen Ländern floppte. Nur der arbeitete nicht bei uns Die Synchronsprecher waren meist unbekanntere Schauspieler, nur an den Stimmen kannte erkannte man sie. War das nicht gerade John Wayne, den man auf dem Gang hörte, nein das war Arnold Marquis, seine Stimme ? Das übelste war aber der Job selbst. Da ich so billig war ( 130 DM im Monat ) durfte ich vorwiegend benutzte Perfobänder zusammenkleben. Das muß ich glaube ich erklären. Bei der Synchronisierung wurde der Ton auf 17,5 mm breiten, perforierten Magnetbändern aufgenommen. Wenn der deutsche Sprecher dann an das IT Band ( das heißt die internationale Tonspur des Films, das sind nur Musik und Geräusche drauf, ohne die Dialoge ) angelegt wurde, zerschnitt die Cutterin das Band in viele kleine Schnipsel, damit die Dialoge auch an die richtige Stelle kamen, dazwischen klebte sie eine andere Art Band . Nachdem der Film fertig war wurden die Bänder gelöscht und ich durfte die vielen kleinen Schnipsel wieder zu einem Band zusammenkleben. Bei einem Stundenlohn von 81 Pfennig war das natürlich viel billiger als ein neues Band zu kaufen, das sicher 20 Mark kostete wenn nicht sogar noch mehr. Dann fielen auch noch Überstunden an, die bei 81 Pfennig die Stunde überhaupt keinen Spaß machten, denn ich brauchte die freie Zeit abends um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit den Überstunden konnte ich nicht mehr nebenbei jobben, also auch nicht überleben. Ich lehnte also die Überstunden ab und flog nach 3 Monaten raus. Das hat man davon, wenn man sich gegen Ausbeutung und Sklaverei zur Wehr setzt. Aus und vorbei war es mit der großen Welt des Films, oder vielleicht doch nicht. Gebe zu der Text ist etwas uninspiriert, dafür kommen wir bald zu „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo „ zu David Bowie und anderen interessanten Leuten. http://www.myvideo.de/watch/924174 Hurra, ich bin beim Film, Teil 2 Ich bewarb mich überall, ohne Erfolg, bis mir jemand steckte das Brunnemann der Chef alle Synchronkollegen von sich angerufen hatte und sie vor mir gewarnt hatte. Doch dann passierte das Wunder, eine Firma antwortete. Geyer Synchron hatte meine Bewerbung in eine andere Abteilung gegeben zum Kopierwerk. Die Geyer Werke waren damals das beste Filmkopierwerk in Berlin. Dort wurden Profifilme in 35 und 16 mm entwickelt und kopiert. Besser als gar nichts. Ich stellte mich dort vor. Herr Rabs der Kopierwerksleiter war ein kompetenter Mann, ich solle erstmal anfangen sagte er und dann innerhalb des Kopierwerks durch verschiedene Abteilungen rotieren. Ich sagte zu. Es gab richtig Geld für diesen Job und das Betriebsklima war gut. Ich landete zuerst in der Filmvorführung, eine Art Kino in der die Kopien vor Auslieferung an den Kunden geprüft wurden. Ich war plötzlich Filmvorführer. Dort saß Karla. Sie sah aus wie eine Lehrerin, war korpulent und etwa 2 Jahre vor ihrer Pensionierung. Sie trug ein dicke Brille mit Flaschenböden und mußte trotzdem kurz vor der Leinwand stehen um den Film sehen zu können. Trotz dieses Handicaps war sie super in ihrem Job, eine Seele von Mensch und fortan wurde ich von ihr bemuttert und versorgt. Jeden Morgen gab es irgendetwas zum Naschen. Ich nahm innerhalb kürzester Zeit 5 Kilo zu. Auch die anderen Mitarbeiter waren supernett und ich fühlte mich in dieser Beziehung sauwohl dort, obwohl der Job als Vorführer nicht so toll war. Wir prüften nämlich zwischen 8 und 10 erstmal Pornofilme, ziemlich eklige Produktionen waren dabei. Hin und wieder sah ich Kinofilme, lange bevor sie ins Kino kamen. Ich lernte Wim Wenders zu hassen. Seinen Film „ Im Lauf der Zeit „, der sowieso Überlänge hat, mußte ich 35 mal ansehen. Seitdem ist mein Bedarf an Wim Wenders gedeckt und in meinen schlimmsten Albträumen sehe ich Rüdiger Vogler irgendwo in die Pampa kacken ( eine Szene aus dem Film ). Es gab irgendwo eine Stempeluhr und ich kam jeden morgen zu spät, nur 5 Minuten, aber zu spät. Außerdem war in der ersten halben Stunde eh nichts zu tun. Nach Wochen mußte ich deshalb zum Chef. Er fragte mich warum ich immer zu spät käme, ich erklärte ihm das eh nichts zu tun sei und ich außerdem fast jeden Tag Überstunden mache, das sei doch viel wichtiger für die Firma, wenn jemand dazu bereit sei. Er schaute mich kurz an und sagte: Kommen Sie wann sie wollen, Hauptsache sie kümmern sich auch nach Dienstschluß um unsere Kunden. Ja das war Geyer, eine wirklich gute Firma mit toleranten Bossen, die auch mal mitdachten. Mit Karla hatte ich ein super Verhältnis und mit den anderen Mitarbeitern auch, ich habe dort nicht einen einzigen unangenehmen Mitarbeiter getroffen, leider blieb ich erstmal in der Vorführung und kam erst viel später in andere Abteilungen. Dann bekam ich zwei Praktikanten Jürgen und Kai, die waren sehr nett und wir verbrachten viel Zeit zusammen. Sie machten das Praktikum, weil sie es für die Aufnahme in eine Fachhochschule brauchten in der man zum Kameraassistenten ausgebildet wurde. Kameraassistent hörte sich interessant an. Man brauche mittlere Reife, ein halbjähriges Praktikum und müsse eine Aufnahmeprüfung bestehen erfuhr ich. Die Aufnahmeprüfung sei in der kommenden Woche. Ich rief sofort dort an, ja ich könne noch kommen und mitmachen hieß es. Das Praktikum fehlte mir allerdings. Ich ging zu Dr. Geyer und fragte ihn ob er mir meine Tätigkeit bei Geyer auch als Praktikum bescheinigen könne und erklärte ihm warum. Zwei Stunden später hatte ich die Bescheinigung. Es waren noch 5 Tage bis zur Aufnahmeprüfung und ich hatte keine Ahnung. Ich nahm Urlaub und kaufte mir ein Buch: Kurt Solf - Filmen. Das lernte ich mehr oder weniger auswendig und trat zur Prüfung an. Über 400 Bewerber gab es für nur 25 Plätze. Allerdings war das Buch anscheinend ziemlich gut gewesen. Ich hatte kaum Probleme mit den Fragen. Die einzige Frage bei der ich auf dem Schlauch stand war folgende: was sind die Aufgaben eines Kameraassistenten ? Ich schaute zum Nachbar. Schärfe ziehen, Blenden ziehen, Kassetten ein und auslegen stand da, aha. Wird wohl so sein dachte ich und schrieb es auf ohne zu Wissen was damit eigentlich gemeint war. An nächsten Tag erfuhren wir die Ergebnisse. Ich war unter den Besten und war angenommen, eine totale Überraschung. Ich kündigte bei Geyer, Karla war sehr traurig, sie hätte mich gern als ihren Nachfolger gesehen. Aber keiner war sauer, alle beglückwünschten mich, denn sie wussten, das ich ihnen als Kunde erhalten blieb. Jürgen hatte es auch geschafft, Kai leider nicht aber um den brauchten wir uns keine Sorgen zu machen sein Vater war ein Promi, der würde immer etwas finden. http://www.youtube.com/watch?v=p3Mtkk5G3OY Hurra, ich bin beim Film, Teil 3 Ich war nun plötzlich Student, aber der großen weiten Welt des Films noch keinen Millimeter näher gekommen. Meine Mitstudenten waren ein bunt zusammengewürfelte Schar, die allerdings größtenteils schon Fernseherfahrung hatten. Die meisten waren aus Deutschland, ein Student war aus Pakistan, einer aus Bangladesch und einer aus Jordanien. Einer von ihnen Achim Poulheim ist jetzt ein berühmter Kameramann, einer wurde Programmdirektor, die anderen sind bei irgendeinem Sender untergekommen, nur aus mir ist anscheinend nichts Vernünftiges geworden. Die Dozenten waren zwar zweite Wahl aber kompetent und ganz OK, bis auf einen, der war ein superreaktionäres Arschloch und wollte mich Absägen, was ihm aber nicht gelang. Ich hatte ganz andere Probleme. Mir fehlte jetzt das Geld von Geyer, mit dem Bafög kam ich nicht weit. Also zog ich in den Wedding. Hinterhof, Erdgeschoß sehr dunkel ohne Dusche aber dafür mit Heizung, kostete etwa 150 DM warm. Praktischerweise ( das Rechtschreibprogramm macht mich fertig, was ist jetzt schon wieder falsch und warum vor allen Dingen, ich lass es jetzt so stehen - scheiß Rechtschreibreform ) wohnte Holger ein Mitstudent in der gleichen Strasse, dort konnte ich duschen. Was tut man nicht alles um sein Auto finanzieren zu können, einen Fiat 124 Spider, ein Superauto. Ich konnte allerdings jobben und zwar in der Lichtpauserei in der ich mal angefangen hatte, als ich nach Berlin kam, das war schon mal stark zumal der Chef ein Supermotto hatte: Pausen müssen sein. Er meinte allerdings seine Lichtpausen damit, keine Arbeitspausen. Dann baggerte ich die Verkäuferin von GOVI an, meinem Lieblingsplattenladen. Die mochte mich anscheinend auch und stellte mich ihrem Freund Lutz vor dem Geschäftsführer. Schon hatte ich meinen zweiten Job und sogar in einem Plattenladen. Lutz war ein super Typ, ich mochte ihn sehr und hörte sofort damit auf seine Freundin anzubaggern. Der Job war gut, die Bezahlung auch. Leider blieb von dem Geld nie was übrig, da ich es sofort in Lps umsetzte die ich mit Personalrabatt bekam, teilweise kosteten die Lps dann nur noch ein paar Mark. Dann mußte ich auch noch meinen Lebensrhythmus ändern, von acht bis halb drei Uni, die hieß übrigens SFOF, staatliche Fachschule für Optik und Phototechnik. Ab 3 dann jobben bis 6, dann ins Bett, schlafen bis 23 Uhr und dann ins Superfly einer angesagten Disco am Adenauerplatz oder ins Highfly oder Flyhigh ( zwei Kneipen nebeneinander ), dann gab es noch das Tolstefanz, das Linientreu, den Dschungel und das Sound. Im Sound verkehrten wir nicht, da waren nur Fixer. Berlin war ein heisses Pflaster damals, die Musik zu dieser Zeit war geil und es war die Hölle los. War im Superfly mal nichts los, gingen wir über die Strasse, da war ein Kino und dort hatten wir freien Eintritt als Filmstudenten. Die hatten Vorführungen die ganze Nacht über, um 12 ( null ), um zwei und um vier. Dann fuhr ich meistens gegen vier Uhr früh nach Hause und schlief noch ein paar Stunden. Dieser Lebensrhythmus hatte allerdings auch ein paar Nachteile. Ich wurde wach, es war noch dunkel draußen, es war im Dezember. Ein Blick auf die Uhr, Mist, fünf vor acht. Schnell in die Klamotten, zum Bäcker, Pech, der hatte zu, wieso eigentlich ? Nun gut dann ohne Frühstück zur Uni. Um 10 nach 8 parkte ich mit quietschenden Reifen. Kein Mensch da, war aber doch Dienstag, da gings um acht los. Hatte ich einen Feiertag übersehen ? Ich fragte einen gütigen Mitmenschen auf der Strasse, ob heute Dienstag ein Feiertag sei. Der schaute mich mitleidig an. Es war Montag und zwar mittlerweile 20:20. Ich war Montag gegen 16 Uhr eingeschlafen und als ich wach wurde war es nicht Dienstag morgen, sondern noch Montag Abend. Ich hatte halt nicht gerafft, das ich nur ein paar Stunden geschlafen hatte und nicht die ganze Nacht. Jedenfalls hatte ich während meines Studiums weniger Fehltage im Superfly als in der Uni. Aber auch das Studium lief gut. Ich hatte die Idee zu einem Film, die Umsetzung einer Kurzgeschichte von Hanns Heinz Ewers: Die Spinne. Drei Kollegen machten mit und wir begannen mit den Dreharbeiten. Der Hauptdarsteller wurde Dietrich ein Freund von mir aus meiner Heimatstadt, der auch in Berlin lebte und Nilgün eine bildhübsche Türkin, die ich im Superfly kennen gelernt hatte. Eigentlich sollten wir nur ganz kurze Projekte machen, so 1,5 Minuten. Dieses Projekt war allerdings etwas ambitionierter und sollte 10 Minuten dauern. Das mussten wir selber bezahlen, aber Dank meiner Kontakte zu Geyer hielten sich unsere Kosten in Grenzen. Mittlerweile hatte ich Sonja kennen gelernt, die Tochter eines österreichischen Kabarettisten. Die machte mir schöne Augen und fragte mich, ob ich sie denn mal nach Wien fahren könne. Das machte ich natürlich sofort. Seltsamerweise wohnten wir nicht bei ihr zu Hause, sondern in einem Hotel. Am nächsten Morgen fummelte sie am Absatz ihrer Stiefel herum, entfernte die Sohle. Er war voller Heroin. Sie hatte mich benutzt um ihre Scheißdrogen zu schmuggeln, die sie in Wien verkaufen wollte. Ich stellte sie zur Rede, denn wären wir erwischt worden, hätte ich als Ausländer, obwohl ich gar nichts davon wußte den schwarzen Peter gehabt, sie als Promitochter natürlich nicht. Sie reagierte gar nicht und setzte sich erstmal einen Schuß. Ich setze mich auch, aber ins Auto und fuhr sofort nach Berlin zurück. An der bayrischen Grenze wurde ich gestoppt, Passkontrolle aussteigen, bitte rechts ranfahren. Ich gab ihnen meinen Pass und sie verschwanden damit. 30 Minuten gingen rum, eine Stunde. Ich ging ins Kontrollhäuschen wollte meinen Pass wiederhaben. Da sassen 3 Grenzer mit verschränkten Armen von denen einer sagte: komm doch und hol ihn Dir, dann gibts aber was aufs Maul. Diese Arschlöcher. Ich ging hinaus, wartete auf das nächste Auto mit Freaks, bat sie ob sie mir helfen könnten. Wir gingen dann zu fünft hinein. Mit 4 Zeugen bekam ich natürlich meinen Pass sofort zurück. Mit Drogen hatte ich nicht viel am Hut, ab und zu mal ein Tütchen, das war es auch. Als Jugendlicher hatte ich auch mal LSD probiert, so etwa ein Jahr lang. Wir hatten einen Dealer in Heidelberg, der war sehr preiswert, ein Trip für 2,22 DM, ein Gramm Shit für 3,33 DM. Wir machten in unserem Gymnasium immer Sammelbestellungen, um diese Preise zu bekommen, wie beim Otto Versand und holten das Zeug persönlich ab. Keiner von uns hat je eine müde Mark damit verdienen wollen. Einmal schickte Pieper unser Dealer mir die LSD Trips per Post, die ganze Sammelbestellung des Gymnasiums ( kein Wunder bei einem Preis von 2,22 ), 100 LSD Trips in einem ganz normalen Briefumschlag. Meine Mutter schüttelte den Brief, der laut raschelte, gab ihn mir und fragte was da drin sei. Ich ging schnell in mein Zimmer, dort fand ich eine Perlenkette von einer Brieffreundin von mir. Die Perlen hatten eine ähnliche Grösse. Ich ging raus und zeigte sie meiner Mutter, und sagte guck mal meine Brieffreundin hat mir eine Kette geschickt. Meine Mutter war es zufrieden. Am folgenden Freitag war unser Schulfest. Die halbe Oberstufe nahm eine Pille und da nichts passierte nach einer halben Stunde eine Zweite - das war ein schwerer Fehler, denn kurz danach begann die erste Pille zu wirken und dann die Zweite. Gegen 22 Uhr war dann das Schulfest mehr oder weniger zu Ende, denn alle Pillenschlucker hatten sich in die umliegenden Wälder abgesetzt oder irrten die ganze Nacht planlos durch unsere malerische Altstadt. 30 Jahre später besuchte ich einen Freund in Mannheim, der erzählte mir von dem Besitzer eines Buchverlages, der einmal im Jahr eine Riesenfete in einem Odenwalddorf feiere. Es stellte sich heraus das dieser Verlagsbesitzer und unser damaliger Dealer ein und dieselbe Person waren. Er war ein feiner Kerl, gute Preise und er verkaufte keine harten Drogen. Harte Drogen zu nehmen war bei uns sowieso nicht in, wer es damit versuchen wollte wurde isoliert und aus unserer Gruppe ausgeschlossen. Deshalb gab es bei uns lange Jahre keine Fixer in der Stadt. Doch zurück zur Uni. Unser Film, die Spinne, wurde ziemlich gut und so beschlossen wir ihn bei der Filmbewertung Wiesbaden einzureichen - auf unsere Kosten. Wir hörten dann nie wieder davon. Als ich dort ein Jahr später anrief und fragte was denn nun mit der Bewertung sei, war man dort sehr verblüfft. Haben Sie den Bescheid nicht bekommen wurde ich gefragt, wir haben ihn direkt an die Schule geschickt. Ich stellte den Chef des Studienganges zur Rede. Unwirsch gab er mir den Bescheid. Wir hatten das Prädikat „ wertvoll „ erhalten. Es war der erste Film dieser Schule der je dieses Prädikat erhalten hatte und Herr Eichhoff der Studiengangleiter hatte es für sich behalten. Er sagte, ohne auch nur eine Spur schlechten Gewissens zu zeigen: „ falls es publik wird das auf unserer Kameraschule Filme gemacht werden, die ein Prädikat erhalten, dann bewerben sich auch die ganzen Filmemacher und dann haben wir statt 400 Bewerber 800 jedes Jahr und darauf hab ich keine Lust. Basta. „ Er hätte ja auch ein wenig stolz auf uns sein können. Das einzige Problem war Kremer, er gab Sozialkunde, war aber superrechts eingestellt. Als er erfuhr das ich für mein Referat über die Weimarer Republik als Quelle das Buch von Bernt Engelmann: Einig gegen Recht und Freiheit, verwenden wollte flippte er aus. Eine Woche vor dem Termin für meinen einstündigen Vortrag auf den ich mich gut vorbereitet hatte, sagte er mir er wolle nun kein Referat mehr sondern ein Kurzexposé, maximal 10 Zeilen. Das hätte ich nun leicht aus einem Lexikon abschreiben können. Meine ganze Arbeit war also umsonst gewesen. Deshalb hielt ich den Vortrag wie abgesprochen eine volle Stunde. Das war eine glatte sechs und er war sehr sauer, das er mir keine sechs ins Zeugnis setzen konnte, denn ich war zu gut bei den Tests. Ich beschloß ihn einfach zu ignorieren. Wir machten noch schnell einen zweiten Film: Die letzte Wette, die Verfilmung einer uralten Urban Legend. In einer Kneipe sitzen ein paar angetrunkene Zecher und beschliessen eine Mutprobe. Wer es wagt zum Friedhof zu gehen und dort ein Grabkreuz zu klauen, muß fortan nichts mehr bezahlen. Einer von Ihnen ist mutig und macht sich auf den Weg, holt ein Kreuz, bringt es in die Kneipe. Ein Bild des Toten ist darauf. Als er sich dieses Bild genauer ansieht, wechselt es und er sieht plötzlich sein Gesicht auf dem Kreuz. Er bekommt es mit der Angst zu tun und beschließt das Kreuz wieder zurückzubringen. Als er es gerade in den Boden rammen will wird er von dem Toten erwürgt. Man findet ihn am nächsten Tag. Leider hätten wir für diesen Film richtige Schauspieler gebraucht, die Komparsen mit denen wir es machten waren sauschlecht und so ist auch der Film einfach nur Müll, aber technisch sauber umgesetzt. Wir schrieben unsere Abschlußklausuren und ich bestand mit einem guten Notendurchschnitt. Fast alle hatten schon einen Job bei irgendeinem Sender, nur ich nicht, da ich ja nie Senderkontakte gehabt hatte. Doch dann geschah ein Wunder. Rita eine Sportstudentin, jobbte auch in der Lichtpauserei in der ich nebenbei arbeitete. Irgendwann fragte sie mich, was ich eigentlich so mache. Ich sagte ihr das ich bald arbeitsloser Kameraassistent sei. Ist ja witzig entgegnete sie, meine Schwägerin ist Aufnahmeleiterin beim Film. Ich geh da immer als Statist hin, hast Du Lust mitzukommen ? Na klar hatte ich Lust, es gab gutes Geld, wir sollten nur ein wenig tanzen, im Meadow einer Diskothek am Olivaer Platz. Der Film hieß Asphaltnacht und war von Peter Fratscher, Kameramann war Bernd Heinl. Wir machten uns auf den Weg in die große weite Welt des Films. Ich konnte nicht ahnen das dies mein Glückstag war
3.3.07 14:18
 


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